Wenn ich etwas habe, ist das Zeit (1-7 Tag)

Endlich komme ich dazu, diesen Artikel zu schreiben. Schon seit einigen Tagen schwelt in mir dieses Verlangen niederzuschreiben, was ich bereits jetzt (schönes) erleben und lernen darf. Die ersten sieben Tage meiner Reise lehren mich bereits Lebendigkeit, den Kopf an zu lassen und mich in Vertrauen und Fülle tragen zu lassen. Noch stehe ich ganz am Anfang. Mein Körper und mein Geist sind langsam darauf vorbereitet, was mich in den nächsten vier Monaten erwarten wird. Bisher durfte ich immer bei Freunden oder Menschen übernachten, die ich bereits vorher kannte, wo ich bereits vorher Kontakt aufgenommen hatte. Dieses warm Werden tut wahrlich gut! Von Münster, über Paderborn bin ich nach Overath (Köln) gekommen. Von dort wollte das Schicksal dieser Reise einen Abstecher in Heidelberg machen um daraufhin nach Dornach (nähe Basel, Schweiz) herüberzukommen.

Bedauerlicherweise kann ich diesem Beitrag erst einmal keine Bilder hinzufügen, weil das mit dem PC, den ich hier an der Youthsection am Goetheanum zur Verfügung habe keine Bilder von meinem Smartphone annimmt. Aber die Bilder werden noch folgen 🙂


Tag 1 – Abschied aus Münster

Noch am Tag der Abreise gab es technische und emotionale Unausgeglichenheiten, die morgens noch Aufmerksamkeit verlangten. Ich habe mein Mobiltelefon mit dem meiner Freundin getauscht, was ich wirklich schon vorher hätte erledigen sollen, aber wann bei dem strammen Programm kurz vor der Abreise? Wellen der Emotionalität ob der gleich startenden Reise und damit einhergehender langer Getrenntheit prägten die frühen Stunden des Tages auch noch. Super Start! Aber kurz vor der Abreise war dann alles geklärt und als ich meine ersten neun bis zehn Kilometer gegangen bin und mich dabei aus Münster verabschiedete schossen mir die verschiedensten Gedanken durch den Kopf. Doch diese wurden immer ruhiger, jeder Schritt ebnete eine für sonntags gewöhnliche Ruhe weiter in mein Gemüt. Meine erste Mitfahrgelegeneit dieser Reise führte direkt zu meinem ersten Etappenziel: Paderborn. Dort traf ich René, einen Freigeist von dem ich direkt viel über Entgiftung, die Freundeskreisidee (worüber wir uns wunderbar vernetzen können) und hochwertige Lebensmittel lernen durfte. Ein verrückter Kerl und Künstler, der sich kein Stück dafür schämt, mit einem Erwachsenenschnuller durch die Gegend zu laufen. Bei ihm werde ich bestens versorgt, was mir Anschub für meine Reise gibt.

Noch ein letztes Mal durch den aufblühenden Schlosspark in Münster. Eigene Aufnahme.

Tag 2 – C3PB und Paderborn

Ein wunderbarer Tag, an dem René und Freunde von ihm uns gegenseitig austauschen. Über Gemeinschaftsideen, Reiseerfahrungen und die starren, egoistischen Systeme unserer Zeit. Ich darf den Chaos Computer Club in Paderborn, das Perma-Play Kartenspiel von Vamos dem Zirkeldreher und die Stadt Paderborns (insb. die Paderquellen) kennen lernen und bin beschwingt von diesem Kennen lernen.


Tag 3 – Trampen will geübt sein

Von Renè, der mich über die Zeit bestens verpflegte (wirklich nur das beste vom Besten!) erhalte ich noch ein riesiges Packet mit Trockenfrüchten (Feigen, Gojibeeren, Mango, Ananas) und Nüssen! Von dem Mann kann ich noch einiges übers fliessen lassen und Gastfreundschaft lernen.

Von Paderborn komme ich relativ gut zur A44 auf einen Autohof. Das sind die Dinger, wo der Rastplatz nicht direkt an der Autobahn liegt sondern erst über eine Strasse angefahren werden muss. Diese sind schwieriger per Anhalter zu nehmen, als die Raststätten, welche nur auf die eine Richtung der Autobahn weiter führen. Doch selbst dort komme ich gut weiter, mit einem Pärchen, welches gerade nach 5 Monaten Arbeit in Österreich ein Wohnmobil gekauft hat, mit welchem es in Kürze auf lange Reise gehen möchte. Ich verquatsche mich und verpasse die letzte Möglichkeit vor dem Kreuz zur A1 und fahre dann gezwungenermassen weiter. Über Umwege und der Tatsache geschuldet, dass ein Parkplatz wo ich noch aussteigen wollte um auf derselben Autobahn zu bleiben gesperrt war, sass ich dann im Norden Duisburgs beim Zubringer auf die A3 fest. An der Stelle wollte einfach niemand anhalten, es war zu gefährlich. So zog ich ungerne meinen Notnagel um mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Köln zu kommen.

Eine unmöglich zu trampende Auffahrt. Vor allem bei den vielen vorsichtigen Gemütern bezüglich des Trampens. Von hier musste ich kurz auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

Auf dem Weg entspannte ich und las in dem aufweckendem Buch „Jeder kann die Zukunft mitgestalten“ (von Uwe Burka), was mich direkt wieder auf fruchbare Gedanken brachte. Eine Zukunft in welcher wir es widerfinden in Gemeinschaften zu leben, miteinander (wirklich) nachhaltig Projekte zu gestalten anstatt im zwanghaften Gegeneinander kämpfend um endliche Ressourcen.

In Köln selbst wollte ich dann auf die Stadtautobahn kommen, Richtung Overath, wo mich bereits Vamos der Zirkeldreher erwartete. Auch da liess ich mich zu sehr von der grossen Stadt beeinflussen und lief erst einmal einen riesigen Umweg bis zur Stadtautobahn. Dort angekommen hielt ich meinen Daumen an einer Stelle, die nur funktionierte, weil gerade Stop & Go Verkehr vorherrschte raus. Ich wurde von einem jungen Mann mitgenommen, der selbst mal sechs Wochen per Anhalter unterwegs war. Allerdings wollte er nach Amsterdam zu einem Konzert, welches er am Vortag mit seiner Freundin verpasste. Das hätte ich eigentlich nicht wahrnehmen sollen, weil er mich nur zwei Ausfahrten weiter bringen konnte (was beim Trampen nicht viel bringt) doch ich stieg ein – auch um von dieser unangenehmen Tramperstelle wegzukommen. Doch die anderen Zubringer auf die Autobahn waren nicht mehr trampbar. So bezahlst du Lehrgeld (oder besser Lehrzeit). Also fuhr ich doch wieder mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Overath. Von dort dann total verdient durch wunderschönes Waldgebiet zum Zirkeldreher. Satte elf Stunden hat dieser Abenteuertrip von Paderborn nach Overath gedauert! Trampen will eben geübt sein. Als wichtigste Regel merke ich mir, die Route und die möglichen Haltestellen (Raststätten, Parkplätze, Zubringer…) schon vorher genau klar zu haben. Auch nicht jede Fahrt direkt anzunehmen ist wichtig im Hinterkopf zu behalten. Nur um des Mitgenommen werden willens kann mensch ohne Ziel reisen, aber nicht mit klarem Ziel. Zudem meide beim Trampen Zubringer. Finde immer solche Stellen, wo potentielle Mitnehmerinnen dich wirklich mit sicherem Gefühl einladen können.

Abends beim Zirkeldreher angekommen merke ich direkt, welch naturnaher, inspirierender Machergeist mich dort erwartet. In dieser Gegenwart fühle ich mich direkt viel bescheidener und so lernen Vamos der Zirkeldreher und ich uns kennen.


Tag 4 +5 – Bei Vamos

Das Holzwohnhäuschen und das Treibhaus von Vamos. Eigene Aufnahme.

An diesen beiden Tagen bewege ich mich fast ausschliesslich auf dem Grundstück, wo Vamos seine Permakultur betreibt und lebt. Mit ihm mache ich morgens Kundalini-Yoga für den bewussten Mann (Ahoi!), helfe im Garten mit, tausche mich über Lebenserfahrungen aus und habe wirklich eine Zeit, die mein Wesen freier werden lässt und mich mit Vertrauen und Selbstbewusstsein auflädt. Ich traute mich in dieser Zeit sogar auf eine 25 m hohe Tanne hinauf, von welcher ich den Kölner Dom sehen konnte – einfach abgefahren! Gut zu wissen ist, dass ich früher mit Höhen (vor allem dieser Art) echte Schwierigkeiten hatte. Aber der Geist steht bekanntlich über der Materie und so durfte ich das erneut überwinden.

Exemplarisch für meine Zeit hier ist eine „zufällige“ Begegnung mit einer Frau aus Köln namens Lilian. Vamos empfiehlt mir, mal in die Autobiographie eines Yogi reinzusehen und ich bin wie gefesselt von diesem Buch und seiner Magie, welche es auf mich ausübt. So setze ich mich am Nachmittag auf eine Bank, am Ende einer Sackgasse, wo Vamos auch noch ein weiteres Permakulturprojekt betreut. Dort las ich das Kapitel über Kriya-Yoga (welches sich wohl vornehmlich auf eine neutralisierende, ruhige Atemführung spezialisiert hat) und plötzlich steht ein silberner Kleinwagen vor mir und die Beifahrertür geht auf: „Hallo! Wie sind die Barfussschuhe, welche du an hast so?“ Es ist so unwahrscheinlich, dass sich in diesem kleinen Ort jemand genau zu dieser einen Bank verfährt. Doch Lilian hat sich nicht nur verahren, sie ist eine interessante Persönlichkeit, die gerade auch anfängt Kundalini-Yoga zu praktizieren. Über Barfussschuhe, Yoga und Entgiftung entwickelt sich ein unerwartet inspirierender Austausch. Einfach so und aus sich selbst heraus. Ich komme nachdem sie wieder ihrer Wege fährt nicht umhin festzustellen, dass ich vorher in tiefer Entspannung an dem Buch sass und einfach nicht konstruierte in meinem Kopf. Ich war vollkommen locker und mit den Gedanken des Buches beschäftigt, was ich in dieser Tiefe sonst selten schaffe. Und auf einmal ergibt sich aus diesem Gefühl tiefer Entspanntheit dieses tolle Gespräch – wofür mir Lilian auch sehr dankbar war.

Solche Geschichten zeichnet die Zeit bei Vamos. Wir essen viele Wildkräuter und selbst geerntete Salate – insgesamt viel hochwertige Rohkost. Mir persönlich tut das unendlich gut.

Eine Heldengeschichte muss ich euch noch niederschreiben. Vamos wollte eine Fichte an der Spitze kürzen. Dafür sägte er in irre vielen kleinen Schritten mit Handsäge (später mit Kettensäge) Teile dieses majestätischen Baumes nieder. Das Besondere, was mich wirklich schwer beeindruckte ist: Direkt daneben steht sein Holzhaus und das Gewächshaus. Alle herunterfallenden Stammteile und daran hängende Äste dürfen dort nicht hinauf fallen. Ein waghalsiges Unterfangen, welches wirklich gut geht. Ich kenne wenige Menschen die in der Höhe solche Arbeiten gemacht hätten. Es sei erwähnt, dass er in dem Bereich Autodidakt ist und einiges von seinem Vater lernte. Das wars. Keine Hochseilkletterausbildung oder irgendwas – meinen tiefsten Respekt, lieber Vamos! Generell für alles was er dort aufbaut, für seine lebendige Vision, die er wirklich selbst lebt. Davon kenne ich nur wenige Menschen. In seinem Buch „Auf ins Jetzt“ beschreibt er diese Vision und wie wir durch lokale Lösungsansätze globale Probleme bewältigen können. Zum Beispiel könnten wir uns Komposttoiletten bauen (Humus Thron), um nicht mehr in unser Trinkwasser zu pinkeln und koten. Gleichzeitig hätten wir wertvolle Nährstoffe, die wir zur Humuserhaltung/aufbau in unseren demineralisierten Böden nutzen könnten. Einer von vielen wunderbaren lokalen Lösungsansätzen.


Tag 6 – Das Reiseschicksal führt mich nach Heidelberg

Der Vater vom Vamos bringt mich dankenswerterweise zur Rastastätte Königsforst an der A3. Von dort bekomme ich relativ schnell eine Mitfahrgelegenheit direkt nach Heidelberg. Eigentlich hatte ich diesen Zwischenhalt garnicht eingeplant, aber wenn ich etwas habe, ist das Zeit. Eine gute alte Schulfreundin wohnt noch in Heidelberg und so darf ich einen wunderbaren Tag mit ihr und dem Labrador Tuko verbringen, welcher ihrer WG-Mitbewohnerin gehört. Dieser Austausch mit Franzi, die auch bereits oft und lange unterwegs war, tut wirklich gut. Wir wandern einmal zum Königstuhl (die höchste Erhebung dieser wunderschönen Neckarstadt) hoch und wieder hinab. Abends schlafen wir wie Babys ein 🙂


Nur die beste Reiseverpflegung! Hilft vor allem, wenn mensch mal länger an einer Raststätte warten muss.

Tag 7 – Dornach, Anthrohochburg

Direkt an der A5 gelegen komme ich relativ gut direkt nach Basel. Mit zwei Freundinnen, die wohl gerade verrentet wurden und sich einen Monat Urlaub in Italien gönnen. Ich darf die beiden anregen, durch die Art, wie ich die Welt betrachte. Etwas strange würden manche das nennen. Aber die beiden finden es gut, was ich mache, was ich mit dieser Reise vorhabe. In Pratteln (Stadtteil von Basel) lassen sie mich an einer Raststätte heraus. Auf der wunderbaren offline Karte MAPS.ME schaue ich, wie ich nach Dornach komme. Ein Weg durch hügelige Natur, der etwa 10 km lang sein soll scheit passend. Doch lande ich hier in einem Wirrwarr von verschnörkelten Wanderwegen und schwer verständlichen Wegerklärungen. Eine gute Herausforderung für meinen Körper. Wie viele Kilometer das jetzt letztendlich waren, weiss ich nicht, doch bin ich heilfroh hinterher bei Nikolaus in Dornach anzukommen, nach etwa vier Stunden in der hügeligen wundervollen Natur! Vorbei an einem Demeter-Restaurant, wo ich eine Bio-Cola geschenkt bekomme. Vorbei an der Rudolf-Steiner-Schule (schönes Gelände u.a. mit Kräutergarten und eigener Jurte). Vorbei an etlichen Quellen, wo ich mein Gemüt wieder aufladen kann. Angekommen in dem Zentrum für Anthroposophie, wo auch das Geotheanum und das Rudolf Steiner Archiv steht. Ich bin gespannt, was mich hier erwartet. Alleine die organisch gebauten Häuser lassen den ganzen Ort ganz anders werden und wirken. Mehr dazu im Artikel „Ein Einblick in die Anthroposophie“.


Welch ein fulminanter lehrreicher Start in meine Europareise. Übrigens wurden drei Neonicotinoide (sehr gefährlich für Insekten) jetzt von der EU verboten – na wenigstens passiert etwas aus dieser Richtung darf ich freudvoll von Nikolaus erfahren. Ich schreibe das nur deshalb, weil mir gerade an diesem Tag auffiel, wie viele Insekten in der Luft unterwegs waren, als ob sie sich auch über diese Nachricht freuen würden.

Frieden sei mit euch, bis die Tage 🙂

2 Kommentare zu „Wenn ich etwas habe, ist das Zeit (1-7 Tag)“

  1. Moin,geht ja gut ab bei dir….
    Bei mir geht’s erst in zwei wochen weiter.
    Bleib wie du bist und gesund….
    P.S. Nen paar bilder wären cool….

    1. Hey Rudi mein Lieber,

      ist auch bereits der Hammer der Anfang dieser Reise. Bilder folgen noch 🙂

      Frieden sei mit dir

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