Familienurlaub (Tag 70 – 80)

Ihr Lieben! Wie ihr unweigerlich erkennen koennt, laesst der weitere Verlauf meiner Reise in Form eines Artikels etwas auf sich warten. Es ist einfach so viel geschehen, dass ich kaum zum schreiben komme, doch nun ist es wieder so weit. I freu mir euch folgendes zu praesentieren:

In letzter Zeit – ich schreibe euch von meinem 101ten Reisetag – genoss ich die Freude des Reisens mit meinem Vater und meinem Bruder in Montenegro (Tag 72 – 80), auf dem sich aufbauendem Selbstversorgerprojekt „Sele“ von Marlon (Raw Future) und Susi in Ungarn (Tag 80 – 87) und bei meinen Freunden Sascha und seiner Familie sowie Sinan in Kroatien sowie Slowenien (Tag 87 – 95) – diese Erfahrungen dann in seperaten Artikeln (bitte um Geduld 😉 ). Ich durfte die Ruhe, Sicherheit und Gemeinschaft mit mir mein ganzes Leben vertrauten Menschen wieder geniessen, grossartige Teile der Schoepfung/Natur erfahren (Tara Schlucht, Plitwiczer Seen, Skojcan Hoehlen uvm.) und auch viel verruecktes tun/erleben, z.B. zwei Strassenhunde in Bosnien mitretten oder von einer 8m Klippe springen (fuer mich sehr hoch!). Doch langsam langsam…

Von Skopje nach Tivat (Tag 70 – 72)

Nach meiner atemberaubenden Reise von Batumi nach Skopje, war ich platt wie eine Flunder. Wie ihr dem Ende meines Artikels ueber dieses Abenteuer entnehmen koennt, war ich wirkich durch und brauchte einen Tag Pause in der Hauptstadt Mazedoniens (jetzt Nord-Mazedonien). Dort haette ich mir wohl auch noch gerne einen 20 km entfernt gelegenen Canyon angesehen, sowie den Ort Ochrid am gleichnamigem See im Suedwesten des Landes gelegen. Doch ich war einfach froh, dort in einem bezahlbaren Hostel fuer zwei Naechte untergebracht zu sein.

Ich entschied mich aufgrund von zwei auf mich wartenden Laendergrenzen fuer den Weg per Bus. Kost zwar Geld aber ersparte mir vermutlich viel Stress beim Grenzen trampen. Mein Erfahrungsschatz dahingehend spricht Baende. Mit einem Minibus ging es dann in das unbekannte Kosovo, nach Prischtina (Hauptstadt). Dort verbrachte ich ein paar Stunden (war mir auch wieder etwas zu viel diese Stadt) und konnte mir gut einpraegen, dass dort ueberall dafuer geworben wird, deutsch und englisch zu lernen und spaeter dann nach Deutschland oder in die USA zu gehen, fuer Arbeit oder Studium. Wir sind dort sehr beliebt. Immer wenn ich mich dort als Deutcher vorstellte, laechelten die Menschen. Das scheint wegen unserer NATO-Mithilfe im Kosovo Krieg und unserer Aufnahme grosser Zahlen kosovoranischer Fluechtlinge in der Zeit zu tun zu haben. Insgesamt war ich zu kurz dort, um mir ein umfassenderes Bild zu machen. Generell empfand ich den Aufenthalt in Kosovo als viel besser, als vorher angenommen. Teile des Landes erinnerten mich an die Tuerkei, die Hauptstadt war dann wieder aehnlich zu Beograd (Serbien). Serbien erkennt den Kosovo bis heute nicht als eigenstaendigen Staat an, und geht einfach davon aus, es ist nach wie vor serbisches Staatsgebiet. Meine Meinung: Wenn wir nicht anfangen uns gegenseitig vergeben zu koennen, uns gegenseitig respektieren koennen (gewaltfrei), dann werden diese Themen uns noch ewig begleiten – Trennung, Trennung, Trennung…das spielt dem „Teufel“ in die Hand und haelt uns ausserhalb staerkender Gemeinschaft und innerhalb trennender Glaubenssaetze. Schade, aber dort ist es wirklich noch sehr spuerbar!

Bill Clinton Statue (naja!), das architektonisch mit skurrilste Gebaeude meiner Reise (Hauptgebaeude der Universitaet Prischtinas) und eine sehr neu erbaute (dem Innenleben nach vermutlich katholische, mich irritiert nur, dass der zweite Kirchturm fehlt) Kirche dort.

Am selben Abend ging es dann fuer relativ schmales Geld (15€ glaube ich) weiter nach Podgorica (Hauptstadt Montenegros). Im Kosovo als auch in Montenegro nutzt mensch uebrigens bereits den Euro (inoffiziell). Vermutlich weil beide Staaten erst nach Euroeinfuehrung begruendet wurden (in ihrer jetzigen Form) und dann proeuropaeische Kraefte direkt auf den Eurozug aufgesprungen sind.

Abgefahrenste Busfahrt aller Zeiten!

Diese Busfahrt sollte sieben Stunden dauern, von 19:00 Uhr bis etwa 02:00 Uhr (Ankunft in Podgorica). Anfangs noch auf flachem Lande und gemuetlich, entpuppte sich diese Busfahrt als eine reine Abenteuertour! Es ging spaeter noch durch atemberaubende Serpentinen, die der Busfahrer wie ein Irrer genommen hat – vermutlich kann er diese Strecke bereits im Schlaf fahren. Der Kosovoraner, mit dem ich mich sehr tiefgruendig und angeregt unterhiehlt musste sich wegen dieser Fahrweise sogar uebergeben (!). Mir selbst wurde spaeter auch noch schlecht und ich war so froh, in Podgorica angekommen zu sein. Und mir wird wirklich nicht so schnell schlecht. Ganz nebenbei versagte dann auch noch die Lueftung und die Luft wurde immer stickiger. An der Grenze musste eine Familie (vermutlich Zigeuner) aussteigen, wo ich mich fragte, was die dann dort gemacht haben. Sie durften einfach nicht rueber nach Montenegro – da sehe ich mal wieder, wie gesegnet ich bin, mit meinem deutschen Reisepass (der in der Sklavenhierarchie natuerlich mehr Privilegien einraeumt als ein Kosovo-Pass). Das ist alles so absurd mit den von deiner Regierung ausgestellten und anerkannten Paessen und so weiter – aber in unseren Zeiten noch bitter notwendig, so lange diese unfairen Systeme (siehe „Ist das normal?“) uns hier noch so sehr knechten und fuer Ungerechtigkeit sorgen. So weit so schlecht.

In Podgorica angekommen suchte ich mir gemeinsam mit einem US-Amerikaner und einer Australierin einen Park, wo ich drin naechtigen kann. Die beiden gingen in ein Hostel und wir verabschiedetetn uns. Uebrigens durfte ich an der Grenze den Pass des US-Amerikaners sehen: Darin ist die offizielle Geschichte der USA in Bildern enthalten, so z.B. die vier Koepfe der Gruendungsvaeter der USA. Eine Doppelseite war sogar den Indianer, den Ureinwohnern dieses schonen Landes (nicht die Regierung) gewidmet – was fuer ein Hohn, wo sie doch beinahe dem versuchten Genozid der Eroberer aus Europa (Grossbritannien) zum Opfer gefallen sind und heute kaum noch Laendereien dort inne haben – Staemme die es Jahrtausende beheimateten und gepflegt haben. Aber Gottes Wege sind bekanntlich unergruendbar, so auch der Sinn all dieser Geschehnisse fuer mich.

Erste Gehversuche in Montenegro

Am naechsten morgen aufgestanden erkundete ich nach kleinem Schoenheitsprogramm im Park die Stadt Podgorica. Naja. Hat mich echt ueberhaupt nicht gepackt…Also weiter nach Tivat wo ich meine Familie wiedergesehen habe! Mit zwei Mitfahrgelegenheiten bin ich dort hingekommen. Ivan, mein zweiter „Fahrer“ brachte mich bis 7 km vor Tivat, obwohl er eigentlich nach Bar (etwa 40km entfernt) fahren wollte. Ein toller Mensch, mit dem ich mich tiefgruendig und inspirierend unterhalten konnte, auch er bewies grossartige Gastfreundschaft von der ich mir geschworen habe (und bereits umsetze, so weit moeglich) diese in mein Leben zu integrieren. Er haette mir auch geholfen bezueglich einer Schlafmoeglichkeit in Bar (Stadt an der Kueste dort), gab mir einen EisKaffee in einer Bar mit wundervollem Ausblick auf die bergige Kueste Montenegros aus. Toller Mensch, hat auch einiges durchgemacht in seinem Leben. Wir Menschenkinder!

Aussicht aus dem Cafe, in das Ivan mich einlud.

Von meinem emotianlem Gang in Tivat hinein, schrieb ich bereits in Wir sind Gemeinschaftswesen. Als ich dort in der heissen montenegrinischen Sonne einging und mir Musik von Xavier Rudd, Silbermond und klassisches auf die Ohren packte, durchzog mich all mein Glueck, all die Hoffnung, all das Lebendige und der Segen, der mir auf meiner Reise wiederfuhr. Und mir wurde unter Traenen klar, dass ich morgen hier meine Familie (einen Teil davon) wiedersehen werde, nach so langer und abenteuerlicher Zeit. Zudem noch vieles mehr, was mir wiederfahren ist, dass sich eine alte Freundin wieder gemeldet hat (worueber ich mich sehr freue) und einfach alles! Dass wir gerade hier am leben sind in dieser krassen Zeit und ich mich einfach entschieden habe, diese Reise zu tun, mich gegen den Mainstreamweg entschieden habe und damit meinem Herzen folge. All das floss durch mich und dann auch durch meine Augen in Form von Traenen hindurch.

Ich bin da. Ich bin behuetet. Ich brauche keine Angst zu haben. Du bist da. Du bist behuetet. Du brauchst keine Angst zu haben.

Zeit mit meiner Familie (Tag 73 – 80)

Hierzu moechte ich garnicht allzuviele Worte verlieren. Fuer mich war es eine unfassbar aufladende, heilsame Zeit, in welcher ich wieder in den Luxus eines Urlaubes mit festem Zimmer bzw. Campingplatz und zur Verfuegung stehendem Autowagen hatte – wahrlich nichts selbstverstaendliches. Auch meinem Vater und meinem juengeren Bruder hat der (teils abenteuerliche) Aufenthalt in Montenegro (das Land der „schwarzen Berge“) echt gefallen 🙂

Entspannen & Geschichten austauschen

Zunaechst war ich so baff, als ich wieder in unserem angemietetem Appartment ein temporaeres sicheres Zuhause vorfinden konnte. Das waere natuerlich ohne die finanzielle Unterstuetzung meines Vaters mit meinem Budget garnicht moeglich gewesen. Deshalb bezeichne ich diese Zeit als Urlaub auf meiner Reise! Da hiess es die ersten Tage, die wir in Tivat und an der Kueste verbrachten erst einmal entspannen und austauschen – es gab ja einiges zu erzaehlen, in beide Richtungen.

Tausche draussen schlafen gegen Appartment. Tausche Mùeckenstiche gegen Ruhe, aber auch Sternenhimmel gegen weisse Zimmerdecke.

Weltkulturerbe Kotor

Direkt neben Tivat liegt das Weltkulturerbe Kotor. Eine Stadt, wunderschoen in einer Lagune gelegen, die vom 9ten bis zum 19ten Jahrhundert mit einer gigantischen Mauer umzogen wurde, samt oben auf einer Halbspitze gelegenen Burg und Kirche. Schon abgefahren, was Menschen alles erbaut haben! Náeheres ueber Kotor (Montenegro) findet ihr hier.

Von oben herunterfotografiert, auf den alten Stadtkern Kotors, unten links das Dreieck. Quelle: eigene Aufnahme
Der alte und wunderschoene Marktplatz. Obgleich ich komplett zugebauter Infrastruktur sonst wenig abgewinnen kann…Quelle: eigene Aufnahme
Von aussen fotografierter Maueranfang – wer oben am Hang und auf dem Berg genauer hinsieht, erkennt den Rest des gigantischen Mauerwerks und die Burg. Warum haben Mauern bei uns eigentlich zeitlos Hochkonjunktur? Quelle: eigene Aufnahme

Darùeber hinaus ist Budva sehr schone anzusehen, aber es herrscht eine katastrophale Parksituation. Uebrigens ist dort ueberall in der Hochsaison ein stockender Verkehr, weil die Infrastruktur nicht ansatzweise auf diesen Tourismus ausgelegt ist. Auch grosse Teile der kleinen (Kies-)Straende sind einfach total ueberfuellt. Mir war das alles ziemlich wurscht, fuer mich stand Erholung und Austausch auf dem Programm, selbst auf zu vollen Strassen. Es ist einfach bereits Erhohlung, mit den dir seit Geburt vertrauten Menschen gemeinsam Zeit zu verbringen.

Beispiel fuer echt ueberfuellten Strand…an einer der schoensten Stellen der montenegrinischen Kueste. Quelle: Eigene Aufnahme

Auch in Montenegro gibt es viele Kloester zu besichtigen. Wir waren im Rezevici-Kloster – schoen anzusehen, friedvoll und angenehm kuehl in der heissen Jahreszeit. Auch hier fuehle ich den heiligen Geist durch die Moenche dort wirken – was mensch ja wahrlich nicht bei allen Kirchen und den dahinter stehenden Institutionen sagen kann (manchmal sogar gegenteilig).

Skudari See (Nationalpark) + Njegos Denkmal

Dem Nationalpark am Skudarisee haben wir dann ebenso einen Besuch abgestattet. Aber wirklich gelohnt hat der sich nicht. Mensch kann dort eine Bootstour machen, das wars. Wir wollten mit dem Fahrrad los – Katastrophe, keine Radwege und keine Bademoeglichkeit am See, ohne ein Boot zu besitzen.

Nach einer Nacht auf dem Campingplatz am Skudari See haben wir uns noch das Njegos-Denkmal (Mausoleum) im Lovce-Nationalpark (nahe Tivat) angesehen. Monumental, aber auch das sprach mich nicht an – dafuer aber die wunderbare Aussicht vom Grat!

Njegos ist uebrigens der Begruender der heutigen Idee eines montegreninischen Staates, Fuerstbischof und bedeutender Dichter, der nach wie vor eine wichtige Rolle in der Kultur Montenegros spielt.

Das Njegos-Mausoleum und der Weg auf dem Grat dorthin – eine Gratwanderung 😉 Quelle: Eigene Aufnahme

Oekocamping und Rafting in der Tara-Schlucht

Essens – und Teil des Gemeinschaftsbereiches des ruhig in der Natur (auf der kroatischen Grenze) gelegenen Oekocampingplatzes full monte. Quelle: Eigene Aufnahme.

Unser Familienurlaub endet mit einem Aufenthalt auf dem weit ab vom Schuss gelegenem Campingplatz Full monte. Dort gibt es Komposttoiletten (sehr angenehme Ausfuehrung – stinkt nicht!), selbst aufbereitetes Wasser fuer die Brauchwassernutzung (ohne Trinkwassernutzung), eigene Solarstromproduktion und die Erlaubnis nackt herumzulaufen. Vermutlich einfach, weil der Besitzer das selbst gerne macht. Die Zeit dort war auch noch mal echt schoen! Eine definitve Empfehlung fuer den Camingplatz full monte.

Hoehepunkt unserer gemeinsamen Zeit

Ein Teil der atemberaubenden Tara-Schlucht. Die zweitgrößte erdenweit, an manchen Stellen bis zu 1300 m hoch!

Das Rafting in der zweitgroessten Schlucht von Mutter Erde – der Tara Schlucht – war definitiv der Hoehepunkt unserer Reise! Unfassbar schoene und atemberaubende Natur, alleine, wenn mensch dort die Strassen entlang faehrt. Dort kommst du auch ueber eine 220 m (!) hohe Staumauer, da frage ich mich, wie das erbaut wurde?! Wahnsinn. Dann noch in den Schnellen (die wirklich angenehm waren) der Tara mit einer anderen litauischen Familie zu raften, setzt dem ganzen noch die Kroen auf. Weil das Foto von diesem Ausflug so schoen ist, lade ich es hier noch einmal rein:

In diesem Sinne ging es dann auch am 81ten Tag meiner Reise mit Papa und Pascal Richtung Zagreb. Dort trennten sich unsere Weg an einem gut gelegenem, viel frequentiertem Rastplatz. Meine Weiterreise fuehrt mich zum Selbstversorgerprojekt (Sele-Projekt) von Marlon und Susi.

Ganz nebenbei bemerkt, wurde ich dort vom Rastplatz direkt von einer ungarischen Familie mitgenommen, die gerade aus ihrem Kroatienurlaub wieder die Heimreise antrat – sie waren die zweiten, die ich auf diesem Rastplatz fragte! Auch ein schoener Augenzwink Gottes, es laeuft einfach. Denn die Zusage von Marlon, nach Ungarn kommen zu koennen, hatte ich auch erst zwei Tage vorher erhalten. Also, habe Vertrauen und folge deinem Herzen.

So fuehrt mich meine Reise gerade von Fixpunkt zu Fixpunkt, was mir enorm gut tut. Das megawilde reisen (insbesondere in der Tuerkei und in Georgien) habe ich erst einmal ad acta gelegt. Was die Erkenntnistiefe und Erfahrung, dir mir diese Reise bietet aber nicht unbedingt schmaelert!

Frieden sei mit dir + Gott segne euch 🙂

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