Sele Projekt von Raw Future – Selbstversorgung in Ungarn (Tag 80 – 88)

Die Reise führt mich durch vieles hindurch: Das gesamte Gefühlsspektrum (v.a. Angst und Liebe), viele unterschiedliche Naturräume, verschiedenste Kulturen, Ideologien und Religionen/Glaubensausrichtungen – und einfach durch diese verrückte (sich in der Endzeit dieser Zeit befindlichen?!) menschengemachte Welt. Nach meiner erholsamen Zeit in Montenegro darf ich meine Reiseerfahrung bei Marlon (Raw Future) und Susi vom SELE Projekt in Ungarn erweitern – und neue Freunde gewinnen! Wie die Zeit in der wilden Natur Ungarns, nahezu rohköstlich und mit Freigeistern umgeben war, erfährst du hier.

Wie komme ich überhaupt darauf, hier vorbeizukommen? Ganz einfach! Noch im März, als ich mich immer intensiver auf diese Reise vorbereitete, stieß ich bei YouTube auf Marlons Reise per Anhalter zum Jakobsweg (spontan und vegan!). Nach so vielen durchaus negativ und zweifelnden Kommentaren zu meinem Vorhaben, per Anhalter auf Reisen zu gehen, suchte ich gemachte Erfahrungen aus diesem Bereich. Und so kam ich dann zu raw future, zum SELE Projekt und im Endeffekt bin ich mit Marlon in Kontakt getreten um eine passende Zeit zu verabreden. Ich bin sehr dankbar, dass das so gut funktioniert hat!

Ankommen

Als ich mich von Papa und Pascal auf einem größeren Rastplatz nahe Zagreb verabschiedet habe holte ich zwei Mal tief Luft und wurde direkt von einer ungarischen Großfamilie mit nach Ungarn in die Nähe vom Balaton mitgenommen – allerherzlichsten Dank! Das hat schon einmal wunderbar funktioniert. In Ungarn angekommen verspüre ich ein richtiges Ankommen – vieles erinnert mich total an meine Heimat. So zum Beispiel die Flora und Fauna und die kleinen Örtchen, durch welche ich bei meiner Anreise hindurchkomme. Nach so vielen Wochen im eher mediterranen, subtropischem, alpinem oder gar halb-wüstenem Naturraum, ist das wie ein tiefes Aufatmen. Es fühlt sich ein wenig an, wie nach hause kommen. Und das ist sehr gut und gibt weitere Kraft und Erdung! Den Rest laufe ich angeschoben von dieser Energie zum vereinbarten Treffpunkt.

Dann darf ich die beiden – Marlon und Susi – kennen lernen. Wir sind uns sofort symphatisch und sie nehmen mich mit auf ihr Heiligtum – das Grundstück vom SELE Projekt.

Gina und Tobi von Spiritualität Leben

Am Grundstück angekommen lerne ich die beiden weiteren Gäste – Gina und Matthias vom Blog und YouTube-Kanal Spiritualität Leben. Sehr angenehme Gesprächspartner, ebenso freigeistlich und lernend auf reisen, wie meine Wenigkeit – also bin ich hier definitiv unter Gleichgesinnten. Als dann noch der ungarische Makler, der fließend deutsch spricht, vorbeikommt, formt sich eine illustre Runde – ideal für den ersten Abend!

Die (kommende) Selbstversorgung

Einige Beete im Vordergrund, die Photovoltaikanlage und das Haus im Hintergrund. Quelle: Eigene Aufnahme

Wie jede den YouTube-Videos und Veröffentlichungen von Raw Future entnehmen kann, ist das Sele Projekt etwa anfang diesen Jahres richtig durchgestartet und steht insbesondere für Selbstversorgung und selbstständig sein. Auf dem etwas mehr als einem Hektar großen Land wird dies langsam aber sicher Realität.

Über die Solarstromanlage wird bereits genug Strom erzeugt, um komplett autark damit agieren zu können. Zudem können Marlon und Susi bereits wasserautark sein, durch große Zysternen und mehrere 1000L Wassertanks. Dieses Wasser kann normal als Brauchwasser genutzt werden. Mit der Destillierungsanlage (da bin ich mir noch nicht schlüssig, was ich vom destillieren vor dem Trinkgenuss halten solle) „gefiltert“ kann es dann getrunken werden. Nicht schlecht!

Erste Beete sind angelegt und erste Gemüse wurden angepflanzt und bereits geerntet – so gab es direkt am ersten Abend Zucchini-Salat (frisch und roh) aus dem eigenen Anbau. Obstbäume sind auch einige da – die leckeren Zwetschgen durfte ich auch jeden Tag dort geniessen. Die reichhaltige und quicklebendige Natur vor Ort bietet fantastisch viele essbare Wild- und Heilkräuter, wie die Brennessel (Urtica dioica), Schafgarbe (Achillea), Vogelmiere (Stellaria media), verschieden Wegericharten (Plantago) und viele mehr! So weit so gut.

Um einen noch größeren Selbstversorgeranteil, insbesondere in der physischen Ernährung zu erreichen, sowie bessere Wohnlichkeit zu erreichen wird fleißig gearbeitet.

Ich selbst konnte mich total austoben, habe drei Beete mit angelegt – mittels umgraben (schweißtreibend!) – eine Kompostmiete angelegt, Anzucht für Herbst und Winterarten (v.a. Kohlsorten) gemacht, gesenst, zwei alte Paletten geschliffen und in den noch chaotischen Anfangszustand mehr Ordnung hereingebracht – ich gebe zu ein kleiner Ordnungsfreak zu sein. Ihr glaubt mir garnicht, wie gut mir das tat, dort mit anpacken zu dürfen. Nachdem mir auf meiner Reise so unendlich viel gegeben wurde, ich so viel erhalten habe, tat es so gut einfach mal wieder mitzuhelfen, mich (auch körperlich) mit einzubringen!

Rohkost!

Frische gesunde pflanzliche Rohkost! Das tut so unendlich gut! Quelle: www.pixabay.com Alle Rechte vorbehalten.

Wie der Name „Raw Future“ bereits beinhaltet, wird hier eine pflanzliche (nahezu) rohe Ernährung praktiziert. Ich selbst bin natürlich hoch interessiert an so etwas und etabliere unabhängig von raw future immer größere Rohkostanteile in meine Ernährung. Warum? Weil es einfach gesagt unendlich gut tut. Du bist fitter, geistig wacher und hast erquickendere Ideen. Dein Magen-Darm-Trakt ist vom viel verarbeiteten oder für ihn schwer verdaulichen Essen (wie Fleischprodukte) nicht überlastet und du kannst diese Energie sinnstiftend verwenden. Ich selbst bin kein Verfechter von totaler Rohkost, alleine der sozialen (Unverträglichkeits-)Komponente wegen bereits nicht – aber vielen Menschen, die das praktizieren (wie Marlon) geht es verdammt gut, sie bekommen Erkrankungen in den Griff oder heilen gar an dieser Ernährung. Wobei ich immer fest davon ausgehe, dass mit der Öffnung für solch eine (in unseren Zeiten) ungewöhnliche Lebensweise auch gleichzeitig viele andere Schalter umgelegt werden, was ganzheitlich zu einer Heilung führen kann. Um das hier nicht ausschweifen zu lassen: Probiere es einfach mal aus mit mehr Rohkost! Bitte mit bester (Bio-)Qualität, denn was bist du dir wert, wenn nicht das bestmögliche? So kurz so gut.

Rohkostrestaurant mitten in Ungarn

Als wir mit dem Auto in eine etwas weiter gelegenere Stadt gefahren sind (deren Name ich bereits vergessen habe), zeigten die beiden uns Gästen ein Rohkostrestaurant. Ja, richtig gelesen! Es gibt in einer mittelgroßen Stadt in Ungarn ein Rohkostrestaurant, ich war selbst dort und konnte es erst kaum glauben…

Ein Rohkostrestaurant mitten in Ungarn – wo ich es überhaupt nicht erwartet hätte! Bin für etwa 8,50€ satt geworden, ein Luxus auf meiner Reise und für Ungarn auch ziemlich teuer dieser Laden, aber das war es wert. Danke fürs Zeigen Marlon und Susi! Quelle: Eigene Aufnahme.

Grundstückshüter

Ich verstand mich so gut mit Marlon und Susi, dass ich sogar zwei Tage dort alleine verbringen durfte – als Grundstückshüter! Welch eine Ehre für mich, welch ein Vertrauen, das weiß ich sehr zu schätzen. Und diese Zeit tat wirklich gut…

Morgens mit einem selbst zusammengesuchtem Wildräutersmoothie starten, bitten und die Natur begrüßen. Etwas arbeiten und Ordnung schaffen. Blog schreiben und andere YouTuber (wie den Zirkeldreher) mal wieder verfolgen und die Seele baumeln lassen. Ganz alleine in der ungarischen Natur! Vielen Dank für diesen tollen Rückzug, den ich unerwarteterweise bei euch machen durfte.

Doch gerade in dieser Zeit wurde mir bewusst, wie ich diesen Schritt – also wirklich im Ausland etwas aufzubauen – einfach nicht gehen könnte. Ich denke trotz all der Vorteile, die wir im Ausland genießen können, wie günstigeren Grundstückspreisen (warum muss mensch überhaupt etwas für Land bezahlen?) oder einfacherem und großzügigerem Baurecht, würde es mich doch nicht dauerhaft halten können. Hier in Ungarn habe ich mich aufgrund der gemäßigten Flora und Fauna und durchaus ähnlichen Stadtbauweise wirklich wieder ziemlich heimisch gefühlt – aber das kommt an Deutschland, bzw. Westfalen (meine Heimat) nicht heran. Zudem spüre ich immer mehr, wie jeder von uns dort wo sie geboren wurde einen Auftrag mitbekommen hat…natürlich gibt es auch andere Lebenswege, wo Menschen fliehen müssen/mussten oder ähnliches. Das sehe und verstehe ich alles. Aber ich rede von einem freiwilligem Wegziehen aus der Heimat bzw. dem Heimatland. Ich kann mir sehr gut vorstellen, in Deutschland etwas aufzubauen, trotz der ganzen Schwierigkeiten, die damit einhergehen.

Tesco-Schock!

Nach fünf Tagen, die ich fast ausschließlich auf dem Grundstück verbrachte – bis auf eine 2 Stunden Tour mit dem Tretroller der beiden (auch noch nie vorher gemacht) – fuhren wir gemeinsam, die beiden waren mittlerweile wieder angekommen und auch ganz zufrieden mit meiner Arbeit an ihrem Projekt, zum nahe gelegenen Tesco gefahren, um dort weiteren Besuch für das Projekt zu empfangen. Dort habe ich so krass gesehen, auf welchen Irrwegen unsere Gesellschaft gerade unterwegs ist – nicht, dass das jetzt total neu wäre, aber nach fünf Tagen in der ziemlich abgeschiedenen Natur mit viel Selbstversorgung war es so krass diese Konsumgesellschaft in voller Härte wieder vor der Nase zu haben. So viele Menschen sehen so krank und energielos aus, dass es schon fast weh tut. Dann die ganzen denaturierten Produkte, die es zu kaufen gibt, die ganze versiegelte Fläche dort (Parkplatz und viele Gebäude, kaum Bäume)…Das sorgte mal wieder für die Einsicht, dass wir uns wirklich in einer Endzeit (dieser menschengemachten kaputten Welt) befinden. Ein jeder, eine jede von uns muss sich entscheiden, entweder für die Bequemlichkeit oder für den gesunden (oft unangenehmeren) Weg. Wer gegen den Strom schwimmt kommt eben zur Quelle. Und was sollen wir mit dem Materialismus dieser Welt nach unserem Ableben anfangen? Ich muss nicht mal das Jenseits bemühen um aufzuzeigen, wie sehr du dir bereits hier auf der Erde durch bewusste Entscheidungen Gutes tun kannst, dich rein halten kannst. Für weitere Inspiration dahingehend schaue gerne mal in meinen Artikel Bewusster Bedarf // Minimalismus rein 🙂

Abschied

Nach einer kompletten Woche, die ich wirklich geniessen konnte geht es für mich weiter nach Kroatien zu Freunden aus der Heimat! Beim SELE Projekt gewesen zu sein war für mich wirklich eine besondere Erfahrung und ich wünsche Marlon und Susi auch hier noch einmal bestes Gelingen, viel Kraft und Inspiration dafür. Wir sehen uns sicherlich bald (in Ungarn?) wieder 🙂 Wenn mich nichts täuscht, habe ich hier zwei Freunde hinzugewinnen können!

Nähe der ungarisch-kroatischen Grenze verabschieden wir uns gebührend! Danke ihr beiden! búcsú

Frieden sei mit dir

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