67 Tage bin ich nun wieder in Münster. Nach 67 Tagen meiner Reise war ich bereits bis nach Georgien gekommen und auf dem Rückwege durch die Türkei gen Montenegro. Mir das jetzt noch einmal klar zu machen, mit der enormen Dichte an emotionalen, erkenntnisreichen und teils atemberaubenden Ereignissen, ist enorm.

Nun ist wieder „Alltag“ zwischen Familie und Freunden, Universität, Arbeit und meinen (Herzens-)Projekten eingekehrt. Beispielhaft finde ich den „Alltag“, der sich wieder in meinem Kopfe etabliert hat. So dachte ich nach Wiederankunft nur sehr selten darüber nach, was andere von mir (negatives) denken könnten. Mittlerweile versucht sich das wieder einzunisten, doch macht es Freude mir jedes mal wieder bewusst zu werden, dass das lediglich blockiert und ich mich davon frei machen darf. Was nicht bedeutet, nicht mehr für Verbesserungsvorschläge oder Kritik empfänglich zu sein – das ist etwas anderes.

Dann erst einmal ankommen

Das erste was mich erwartete, war meine Wohnung wieder einzurichten und meine Umzugskartons, die bei einem Freund lagerten, abzuholen. Und wie nicht anders zu erwarten, hatte sich einiges an Post in der Zwischenzeit für mich angesammelt: Eine bürokratische Flut von 18 Briefen (viele offizieller Natur) erwartete mich – doch ließ ich diese in den ersten Tagen ungeöffnet liegen um mich zum geeigneten Zeitpunkt allen auf einmal zu widmen…Krankenkasse, Finanzamt, Einladung zu Schützenfest in meinem Stadtteil usw. – von allem etwas.

Ein Großteil der geöffneten Briefe, die nach Ankunft auf mich warteten. Diese Bürokratie blieb mir (größtenteils) 125 Tage erspart 😀

So hatte ich direkt wieder was zu tun. Aber in gemächlichem Tempo. Ein Privileg, mir dieses Tempo gönnen zu dürfen – und das möchte ich kultivieren. Denn wir könnten es meines Erachtens nach alle tun – wer braucht schon den ganzen Stress und die Hektik, die wir in unserer aufgrund vieler genialer Einfälle grundsätzlich soliden Infrastruktur, garnicht mehr brauchen sollten. Doch da sind wir wieder bei all den Verwerfungen unserer Zeit, z.B. dem verzinsten Monopolgeldsystem (bzw. Schulden bei diesem zu haben) und dem oft damit verbundenem Glauben an die Wichtigkeit von unendlichem Wirtschaftswachstum. Diese Verwerfungen stehen gegen unsere Natürlichkeit und Intuition und so bin ich notwendigerweise wieder dabei, mich dem allem rationaler zu stellen um damit umgehen zu können.

Enormer Tatendrang lebt in mir, vieles habe ich mir vorgenommen und genauso möchte ich meine Familie und Freunde wiedersehen. Doch spüre ich genauso, dass ich nichts überstürzen sollte. Passend dazu fühlt sich mein Körper sehr ruhebedürftig an – genauso erstarkt von Reise. Morgens brauchte ich (wenn möglich) erst einmal 30-40 Minuten um wirklich aufzustehen, so langsam wurde ich erst mal wach. Dieses langsame, aber immer ziemlich frühe (von selbst!) Aufstehen legte sich nach etwa zwei Wochen aber auch wieder.

Boah, habe ich viel Zeugs!

Erschreckt war ich – nach 125 Tagen aus 18 Kg Gepäck lebend – wie viel Zeug ich trotz meiner minimalistischen Ansätze besitze und angehäuft habe. Ein seltsames Gefühl, das alles langsam wieder auszupacken. So seltsam, dass ich direkt eine ganze Umzugskiste zu einer „Verschenken und Verkaufen“-Kiste umdeklarierte, wo alles herein kam, wovon es Zeit war sich zu trennen. Und das von ohnehin (für westeuropäische Verhältnisse) nur 10 Umzugskisten Besitz (ohne Möbel versteht sich).

Tatendrang und Wiedertreffen

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Komme erst einmal langsam wieder an, dafür hast du einen ausreichenden Zeit – und Geldpuffer dachte ich immer wieder. Tue das, was nötig ist und wozu du richtig Lust hast – das war so einiges: Eine Gemeinde, die sich den Lehren Christi verschrieben hat (keine oberflächliche Kirche) finden, gemeinwohldienende Aktionen planen, mich in den Permakulturgarten des AStA der Universität einbringen, mich mehr im Tauschring einbringen, zwei Lieder für die Hochzeit meiner Cousine mit anderen Musikbegeisterten aus meiner Familie einspielen, meinen 25ten Geburtstag groß planen und durchführen, mich sozial in meinem Stadtteil Kinderhaus einbringen, mein restliches Studium planen, mit meiner Arbeit am Mittwoch-Dommarkt anfangen (und ein paar Dingen mehr) und vor allem: Meine Familie, Freunde und ehemalige Freundin wiedersehen. Doch nicht alles auf einmal, schön der Reihe nach und wie es der Fluss des Lebens zulässt.

Ganz wichtig war mir, aus den Lehren meiner Reise zu lernen. Also: Nichts überstürzen. Zeit nehmen. Lieber weniger mit voller Aufmerksamkeit machen, als vieles mit geringer Aufmerksamkeit. Und das funktioniert auch mittlerweile echt gut!

Neuer Umgang mit meiner gewohnten Umgebung

Aus der stark geöffneten Wahrnehmung der Reise heraus nahm ich mein eigenes Dasein hier in meiner Single-Wohnung in einem gut bürgerlichen Viertel ganz anders wahr. Alles und jeden wollte ich grüßen, allen meine Geschichten erzählen und hören wie es Ihnen geht. Von Jesus wollte ich erzählen, vom Vertrauen in Gott und dich selbst, von kleinen und größeren Wundern. Doch das ist eben nicht immer möglich, warte die richtigen Momente dafür ab. So lernte ich beim wieder ankommen, mich auf meine Umgebung einzustellen, ohne zu dieser zu werden.

Dieses Ankommen hat ungefähr 5-6 Wochen gebraucht, in denen ich mich vielen meiner vorgenommenen Aktivitäten widmen konnte.

Habe ich das wichtigste auf der Reise losgelassen, um es jetzt wiederzufinden?

Hier zuhause muss ich mich im Anbetracht der letzten 5 Jahre meines Lebens ernsthaft fragen: Wünschte ich mir oft das herbei, was ich gerade (vermeindlich) nicht hatte? Musste ich immer in Bewegung sein um nicht festzustellen, dass ich bereits genau die Sachen/Menschen/Erkenntnisse habe, um beständig meiner Berufung hier auf Erden folgen zu dürfen? Bin ich davor ein Stück weit weggelaufen? Doch müssen wir uns Fehler eingestehen und anscheinend welche machen, um zu bemerken was wir schönes haben und was richtig ist. So betete ich dafür, meine ehemalige Freundin (mit der ich auf der Reise Schluss machte, weil sich so vieles zwischen uns verhärtet hatte) wiedersehen zu dürfen und ihr diese auf Stein gebaute Erkenntnis mitteilen zu dürfen, sie um Verzeihung und um einen Neuanfang bitten zu dürfen.

Gott antwortete auf diese Gebete (!!) und schenkte uns vor kurzem ein unerwartetes Wiedertreffen (da ihrerseits eigentlich kein Kontakt mehr gewünscht war), so dass wir uns noch einmal richtig gut austauschen konnten. Diese Reflektion und das offene Reden miteinander tat unendlich gut – befreiend. Sie hat einen neuen Freund und ich durfte sie nun reinen Herzens loslassen (auch wenn es schwer fiel).

Alte Muster loslassen

Nach den ersten drei Wochen hier schlichen sich langsam wieder alte Muster ein. So merkte ich, dass ich mich öfters vollmampfte (zwar mit ziemlich „gutem Essen“ – doch maßlos gutes Essen ist immer noch maßlos) um zu viele Reize und hochkommende Gefühle zu unterdrücken. Doch darf sich dieses Muster nun Schritt für Schritt ausmustern 😉 , z.B. mithilfe einer kurzen Fastenkur (3 Tage lang), die ich machte. Am meisten hilft immer noch, das zu tun, was du mit Freude machst (dann gibt es weniger Anhaltspunkte sich vollzufuttern oder sonstig abzulenken) und sich daran zu entsinnen, wie gut es Körper, Geist und Seele mit maßvoller Ernährung geht 🙂

Änderung meiner Wahrnehmung

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Meine sehr geweitete Wahrnehmung ging langsam wieder in eine konzentriertere Wahrnehmung über – was auch notwendig ist, weil du sonst nicht beständig an deinen Dingen arbeitest und von den Reizen der Welt überfrachtet wirst. Deshalb braucht es Räume, die (für eine friedliche Zukunft notwendige) erweiterte Wahrnehmung weiter am Leben zu halten – doch den ganzen Tag über würden wir damit verrückt werden, so meine Ansicht, weil es schwer ist, sich von all dem Trubel und der teils harten Destruktivität der Außenwelt abzugrenzen.

Denn ich wünsche mir immer unterstützen zu können, wo es gebraucht wird, doch liegt das nicht in meiner Hoheit oder Möglichkeit. So lerne ich wieder, mich gut abzugrenzen. Du selbst musst erst einmal Acht geben einen guten Halt zu haben und diesen aufzufrischen, wenn er gerade verloren geht – sonst können wir irgendwann niemanden mehr unterstützen, sondern benötigen es selber. Und wen du unterstützen sollst, das spürst du schon ganz genau. Genauso, wann du selbst um Unterstützung erbeten musst. So lerne ich im vermeidlichen „Alltag“ (ihr merkt, ich mag das Wort Alltag nicht so gerne, da jeder Tag einzigartig ist), auf diese Impulse zu hören und nicht jedem Reiz folge zu leisten. Nicht überall dabei sein zu müssen. Das Vertrauen zu haben, dass die richtigen Menschen zusammen kommen werden, dies nicht erzwingen müssen.

Tatendrang umsetzen – dabei an Grenzen stoßen

So folgten Herausforderungen als auch viele wundervolle Momente, vor allem in der Kommunikation (wo ich noch viel zu lernen habe). Ich machte beispielsweise direkt nach meiner Wiederankunft eine Aktion, wo ich vor meiner Haustüre an einem Weg (wo viele Spaziergänger und Fahrradfahrer durchkommen) kostenlos Obst und erfrischende Getränke angeboten habe:

Gönn dir eine Pause und lasse dir diesen Moment schenken – so meine grundlegende Botschaft 🙂

Die Reaktionen meiner Nachbarschaft darauf waren gemischt. Eine fragte, was wohl das Gesundheitsamt dazu sagen würde, dass ich hier kostenlos Speisen herausgebe (ich denke garnichts, da alles privat ist, kein Verkauf). Andere hatten Bedenken, ich wolle ihren Kindern schlimmes, wobei ich garkeine Bedingung an dieses Geschenk/diese Einladung knüpfte. Die Ängste dahingehend sind schon ziemlich ausgeprägt (was durch Vorfälle der letzten Jahre an der hiesigen Schule untermauert war), wie ich in einem persönlichem längerem Gespräch mit einem Familienvater feststellen durfte. Obwohl er sah, dass ich seinen Kindern nichts böses wollte, beharrte er darauf, dass es ein schlechter Impuls für die Kinder sei, hier vor die Herausforderung gestellt zu werden kostenlos etwas von Fremden anzunehmen (was das Elternhaus ja verständlicherweise verbietet). Doch darauf zu kommen, dass es ja nicht mein Fehler ist, der den Menschen hier was Gutes tun möchte und dass er auch umgekehrt seinen Kindern beibringen könnte, dass es an dieser Stelle ohne eine Bedingung eingehen zu müssen (niemand fordert das Kind auf, mit in ein Auto zu steigen oder Ähnliches) in Ordnung geht sich einen Apfel mitzunehmen.

Genauso gab es positive Rückmeldungen, manche erfreuten sich regelrecht an dieser Erfrischung, diesem Geschenk und dem was ich dazu auf mein Plakat schrieb, an diesem noch echt heißen Augusttag. Das wollte ich auch geben – ein Geschenk. Nicht nur weil ich so viele Geschenke auf meiner Reise erhiehlt, aber hauptsächlich dadurch inspiriert. Doch so lerne ich, in welcher Umgebung ich mich befinde und meine Nachbarschaft besser kennen. Natürlich würde ich diesen Erfrischungsstand nur anbieten, so lange ich selbst zu hause bin und immer wieder nach dem Rechten sehen kann.

Das Thema Trockenklo/Kompostklo/Humusthron

Quelle: https://humusthron.jimdo.com Alle Rechte vorbehalten.

Genauso wollte ich voll Eifer anfangen, selbst nur noch in ein Trockenklo zu machen (inspiriert durch Vamos den Zirkeldreher – danke!). Auf Humusthron.de findest du weitere Informationen zu diesem wichtigen Thema – es behält Nährstoffe im Kreislauf, wenn du sie wieder als (kompostierten oder verdünnten) Dung ausbringst, spart aufwendig aufbereitetes Trinkwasser und den zentral angelegten Kläranlagen Arbeit. Ich baute eine einfache Trockenklo-Konstruktion, so dass ich meine festen als auch flüssigen Ausscheidungen getrennt voneinander auffangen konnte – Fest in einen großen Blumentopf, flüssig in eine große Flasche mit Trichter. Nach kurzer Zeit wurde mir klar, dass ich es mit der Entsorgung meiner festen Ausscheidungen nicht schaffen würde. Auch auf die Kompostierung hier direkt auf dem kleinen Grundstück, wo ich lediglich Mieter bin, wollte ich mich nicht ganz einlassen. Dann sagte ich mir: Gut dann machst du es erst mal nur mit deinem Urin.

Die Entsorgungsfrage eskaliert…

Diesen entsorgte ich im nahe liegenden Wald, unter Brombeerbüschen – dort kommt niemand hin, die Pflanze kommt glaube ich gut mit der Harnsäure klar und es regnet hier genug, dass es verdünnt wird und als Dünger dienen wird. Einmal machte ich den Fehler es an einen Baum zu schütten, der direkt vor einem Spielplatz liegt. Unter anderem dieses Ereignis brachte meinen nach Ordnung und Struktur lebenden Nachbarn auf die Palme. Er drohte mir das Ordnungsamt an und meinte, was ich da tue mit meiner Urinentsorgung sei unverantwortlich, das mache man nicht. Außerdem sei es schädlich Urin direkt und unverdünnt auf den Boden zu geben. Ich gab meine Argumente zurück, doch merkte ich, hier ist nicht gut Kirschen essen – bevor hier wegen meiner ökologisch orientierten Urinentsorgung ein Kleinkrieg ausbricht, pinkel ich wohl oder übel wieder auf Trinkwasser in meinem Wasserklo – bin ich da zu schnell eingeknickt?

Naja, ich sehe, dass es viele Belege dafür gibt, wie gut Urin als Dünger dient, z.B. zeigt diese Studie finnischer Forscher anhand von Tomaten, die vier mal mehr (!) Früchte lieferten als ungedüngte Tomatenpflanzen, welches Düngepotential in unserem Urin steckt. Zudem sparte es Abwasser, Trinkwasseraufbereitung, Mineraldünger der an anderer Stelle eventuell eingesetzt hätte werden müssen. So stehe ich hier und merke – das muss ich woanders ausführen.

Wenn es hier nicht geht, dann vielleicht woanders!

Und so baute ich einfach mit einem Freund zusammen ein Kompostklo im Permakulturgarten, wo ich jetzt auch mit noch stockender Regelmäßigkeit dabei bin. Das Kompostklo sorgte auch hier erst mal für ordentlich Diskussionen – anscheinend ein heikles Thema in unserer Gesellschaft diese ökologische (und meines Erachtens nach sinnvolle) Entsorgung unserer Ausscheidungen. Doch danke ich dafür, an diesem Ort die Freiheit zu haben das Kompostklo bauen zu dürfen. Welch ein Geschenk.

Komposttoilette mit gutem Freund gemeinsam gebaut 🙂


Und so sagte noch gestern ein Freigeist auf einem Geldfrei(er) Leben Kongress hier in Münster, dass es darum gehe, sich der positiven Zukunftsbilder bewusster zu werden, mehr noch als dem Gift in der Quelle. Sowohl als auch denke ich – doch freilich brauchen wir Visionen, um eine lebenswerte und friedliche Welt von morgen mitzugestalten. Danke für die Auffrischung dieser Erkenntnis!

So sehe ich genauso, wie wichtig aufrichtige Kommunikation in allen Bereichen ist (das misslingt mir doch öfter, als ich mir manchmal eingestehen mag). Ich denke oft, was ich gut finde, werden die anderen wohl auch gut finden – so ist das offensichtlich nicht immer. Aber dadurch sollten wir uns nicht entmutigen lassen, die gute Tat zu tun.

Wunderbare Begegnungen

Wenn du offenen Herzens durch dein Leben gehst, dann gibt es meiner Erfahrung nach so viele wunderbare Dinge, Menschen und Orte mehr zu entdecken! Auch hier zuhause geht es mit den schönen Begegnungen unerwarteter Natur weiter – nicht so intensiv, wie auf der Reise, aber trotzdem mit Prädikat wunderbar. Eine dieser Begegnungen war nach meiner ersten Arbeitsschicht am Dommarkt mit der Steinmetzmeisterin Sabine Feldmann, die mit ihrem Lehr – und Kulturvermittlungswagen „Paula“ in Münster unterwegs ist:

Hier erläutert sie einem interessiertem Passanten ihre Arbeit als Kulturvermittlerin zum Steinmetzhandwerk. Zugleich spielt sie eine solche aus dem Mittelalter und möchte vermitteln, welch Arbeit, Schweiß und Liebe in Dom, Rathaus des westfälischen Friedens und so vielen weiteren aus Baumberger Sandstein (etwa 20 Km entfernt vom Dom) gebauten Gebäuden von eben diesem Handwerk steckt. (eigene Aufnahme)

Für diese Begegnungen müssen wir offen sein, sonst verpassen wir sie. Sabine „schnitzte“ mir dann noch vor Ort aus einem kleinen Stück Baumberger Sandstein ein Herz als Andenken und segnete es (Gänsehaut) – vielen Dank und alles Gute!

Freunde und Familie

Und so durfte ich auch die schöne Begegnungen mit meiner Familie und meinen Freunden haben, als wir uns dann nach so langer Zeit wiedergesehen haben – was gleichzeitig auch anstrengend sein kann, wie ihr wisst! Aber was ist diese „Anstrengung“ im Gegensatz zu dem unbezahlbarem Wert sich anvertrauen zu können, Rückmeldung zu bekommen, Inspiration zu bekommen, Halt zu bekommen? Und auch immer das geben zu dürfen 🙂

Ich durfte mit Obdachlosen schöne Begegnungen haben, mit Menschen in christlichen Gemeinden, mit den Leuten die den Permakulturgarten initiieren, mit Menschen von der Albert-Schweitzer-Stiftung bei einer Straßenaktion, mit Kommolitonen, mit Figuren aus Büchern (wie Heinz Helfgen und seiner Weltumradelung in den 50ern!), mit meinem Stadtteil in Münster, mit Menschen am Marktstand und meinen Kollegen dort, mit all den Menschen, die auf meiner Geburtstagsfeier waren (welch ein Fest, wo ich auch meine Reise vorstellte – doch hat meine ehemalige Freundin dabei gefehlt, wie ich einfach fühlen musste!), mit meinem Mathebegleitungsschüler, auf einem „Geldfrei“-Leben Treffen, mit der Natur, Christus und mir selbst – ja so viele Begegnungen, ich staune immer wieder was innerhalb von 8 Wochen nach Wiederankunft so geschehen ist!

Dankbarkeit

In klarer Einsicht (v.a. durch die Reise) muss ich immer wieder feststellen, wie wichtig es ist Dank auszusprechen, ja diesen Dank in deinem Herzen zu fühlen und zu platzieren. Dir sind Dinge wie fließend Wasser, ausreichend (gute) Lebensmittel, Freunde, die zu dir halten, Familie und ohne Krieg, Not und Verfolgung groß geworden zu sein selbstverständlich geworden? Das ist nicht selbstverständlich, sondern sind Errungenschaften, die vollbracht wurden, die einer ständigen Weiterentwicklung durch uns bedürfen (sonst geschieht es wieder, wie wir erleben dürfen).

Auch für die sogenannten Krisen

So können wir auch für die Herausforderungen dankbar sein. In meinem Falle z.B. eine Diskussion über „Gender-Studies“, mit einem guten Freund, die doch einen kleinen Keil zwischen uns trieb. So sehe ich, wie stark (auch mein) Mangel (an Zwischenmenschlichkeit, Anbindung an Gott und Natur usw.) nach wie vor ist. Die Trennung zwischen den Menschen (insbesondere zwischen politischen Lagern, religiösen Ansichten, materiell wohlhabenden und weniger materiell wohlhabenden…) ist immer noch stark, obgleich wir doch in Fülle leben. Das sehe ich auch noch deutlicher, nachdem ich jetzt wieder angekommen bin. Was nützt all das meckern? Einfach anders machen und selbst dankbar für die Herausforderungen und Krisen sein dürfen – ein Schritt den noch wenige gehen möchten. Gelebte Dankbarkeit ist eine Säule einer friedvollen Welt, wie ich jeden Tag aufs neue feststelle.

Und Danke, dass du meinen Blog besucht hast – lasse doch gerne einen Kommentar da 🙂

Frieden sei mit dir

björn


2 Kommentare

Hella · 21. November 2018 um 6:59

Hallo und guten Morgen, Björn,

durch einen Zufall habe ich dich im Youtube-Video zum „SELE-Projekt“ in Ungarn von Marlon und Susi gesehen und bin so auf deinem Blog gelandet. Du hast so eine sympathische Ausstrahlung, die sich nach erstem Lesen spontan bestätigt hat. Du bist ein toller Typ, mit dem man sich sicher gerne lang über „Gott und die Welt“ unterhalten kann. Sei´s über deine Rucksack-Reise(n) oder whatever. Es ist schön, daran erinnert zu werden, dass es auch „junge“ Menschen gibt, die mit einem solchen Bewusstsein über und unter den gewohnten Tellerrand schauen. 🙂 Ich würde gern mal mehr darüber erfahren, was genau dein Studium beinhaltet und was du danach so machen willst. Ich wünsche dir ganz viel Lachen , Licht und Liebe 🙂

Pax tecum,

Hella.

    bjoern · 23. November 2018 um 0:56

    Liebe Hella,

    wow! Da danke ich für deine Worte!

    Es gibt in der Tat einige junge Menschen, die über den Tellerrand schauen. Nur leider werden wir dann oft wieder mit Zukunftsängsten, Geld verdienen sollen usw. in vorgegebene Wege „gedrängt“. Da hoffte ich, mehr würden sich aus alten Denkmustern lösen und mehr und mehr ihrem eigenen Wege folgen, ein Stück mehr ihrem Herzen.

    Um auf deine Frage bezüglich meines Studiums einzugehen: Landschaftsökologie ist ein schöner Mischmasch aus den Naturwissenschaften, (Raum-)Planung und dem menschlichen Einfluss auf unsere Ökosysteme (und damit auch auf sich selbst). So wie es hier in Münster gelehrt wird, ist es sehr verkopft, doch dafür ziemlich praxisorientiert. Wir machen viele Praktika und Exkursionen, dabei lernt student wirklich etwas 🙂 Ansonsten ist es durchaus ein alternativer Studiengang, wo auch über den Tellerrand geschaut wird. Doch gibts auch für mich Knackpunkte, wie diese stupide Informationsflut in den Vorlesungen oder die leider wenige Hinterfragung, was die (ideologische) Angstmache und Absolutheit mit dem menschengemachten Klimawandel (Klimakatastrophe) auf sich hat – freilich gibt es einen menschengemachten Klimawandel, doch ob der wirklich so enorm ist, wie medial dargestellt ist zweifelhaft…Nunja, so gibt es überall Punkte, worüber es zu streiten lohnte 😉 Alles in allem ist dieses Studium eine gute Grundlage um im ökologischen Sektor Fuß zu fassen.

    Ich selbst möchte später gerne das weitergeben, was ich selbst erleben durfte: Aus trägen, angsterfüllenden, zweifelnden (Gedanken-)Gewohnheiten raus, hinein in Verbundenheit mit seinem Herzen, Gott, der Natur und seinen Mitmenschen für seine und gemeinwohldienende Ziele wirken – finde ich gut erfahrbar in der Natur (Wildnispädagogik), im Ökotourismus (weiter weg, einfach, naturverbunden…), durch (nicht pauschal-)Reisen, durch Meditation, Gebet, Stille, Visionssuche und Fasten, durch lokale Lösungen, wie Permakultur (generell gärtnern), Tausch/Schenkgesellschaften, Foodsharing, Minimalismus an Besitz/“Maximalismus“ an Herz – darin möchte ich gerne wirken, wie genau, weiß ich noch nicht. Doch weiß ich, dass sich immer was ergeben wird, wenn wir dran bleiben 🙂

    Alles Liebe,
    björn

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