Fast(en) Food

Fast Food hat die Gesellschaft schon genug. Auch wenn ich seit 6 Jahren nicht mehr zu McDonalds, Burger King oder ähnlichen Industriefutterketten gehe, so ist Ernährung auch bei bestem Bemühen öfter mal mit schnellem, weniger nahrhaftem Essen gespickt (eher die linke Seite des Titelbildes). Danach lohnt es sich eine gewisse Zeit Maß zu halten, um das Verwertbare aus dem Fast Food wirklich aufzunehmen und den Rest wieder entschlacken zu können – wir Fasten. Bei frischer, unbelasteter und lebensvermittelnden Ernährungsbasis auf archaischem Fast Food (siehe rechte Seite des Titelbildes 😉 ) würden sich Fastenkuren vermutlich auch sehr erübrigen – obgleich sie selbst dann sinnvoll sind, um bewusst zu verzichten. Auch deshalb sehnte sich jede Zelle meines Körpers wieder einmal nach einer Fastenkur!

Jeden Herbstanfang ruft die innere Uhr nach dieser Art von Reinigung – mal mehr mal weniger erfolgreich. Zum fünften Mal in meinem Leben machte ich eine Fastenzeit, die länger als zwei komplette Tage dauerte. Daran lasse ich euch gerne teilhaben – Vorhang auf!

Schon 2013 habe ich mit damals 20 Jahren meinen erste selbst organisierte Fastenzeit gemacht – durchaus mit Erfolg! 5 Tage habe ich jeden Tag nur ein Obst und eine Suppe gegessen. Damals vergass ich noch, abführende Maßnahmen zur Entleerung meines Darms einzuleiten. So lernt mensch dazu, denn diese Entleerungen sind wirklich elementar für die gelingende Fastenzeit.

Die Heilwirkung vom Fasten ist erforscht

Auch wenn oft genug gegen so archaische Formen, wie das Fasten, gewettert wird. Folgende Dokumentation von ARTE (sowie Ausführungen von Rüdiger Dahlke in Peace Food) haben mich richtig auf den Geschmack gebracht. Reinigung für Körper, Geist und Seele – Heilprozesse und eine bewusste Auszeit, in welcher der Geist sich anderen Dingen widmen kann (Klärung von Konflikten, Ideen umsetzen, aufräumen…). Und da ich ein Mensch bin, der so etwas (ungewöhnliches) einfach ausprobiert und selbst erfährt, machte ich Nägel mit Köpfen.

Vor zwei Jahren bekam ich von meiner damaligen Mitbewohnerin mit Lobpreis bekundete Informationen zum Buchinger-Fasten. Otto Buchinger war Arzt und litt seit dem ersten Weltkrieg an schwerem Rheuma. Nach einem Tipp von einem medizinischem Laien (einer seiner Patienten) machte er zwei ausgedehnte Heilfastenkuren nach Gustav Riedlin (Heilfastenarzt zu der Zeit) und wurde komplett von seinen Beschwerden geheilt! Motiviert durch diese Selbsterfahrung gründete er eigene Kur- und Fastenkliniken. Eine dieser Kliniken wird heute von Christian Kuhn geleitet. Sein Buch „Die heilsame Erfahrung für Körper und Seele – Heilfasten – Fasten nach der Buchinger-Methode“ habe ich während der Fastenzeit mit Genuss gelesen. Es ist ganzheitlich ausgerichtet, für Körper, Geist und Seele. Der Autor wird sogar ziemlich spirituell in seinen Zeilen – von Anfang an.

Warum freiwillig auf Nahrung verzichten?

Eine Vielzahl von Gründen kann dazu führen, dass Menschen fasten möchten. Gleich ob du es angehst um abzunehmen, bewusst zu verzichten oder dich damit (ein Stück) heilen möchtest – setze dich bitte vorher damit auseinander. Menschen mit Diabetes, schweren psychischen Disfunktionalitäten, lang anhaltenden Erkrankungen oder sehr geringem Körpergewicht sollten NICHT fasten. Dahingehend lassen sich andere Kuren finden, z.B. eine Umstellung auf eine basische ausgewogene Ernährung mit mehr ausdauernder Bewegung (und therapeutischer Begleitung).

Gründe für das Fasten sprechen eine klare Sprache: Entgiftung und Entsäuerung des Körpers. Der Körperfettanteil wird verringert. Geistige Klarheit, Kreativität und Ordnung kehren meistens ein. Tief sitzende Konflikte wollen gelöst werden und können besser angeschaut, reflektiert und angegangen/losgelassen werden. Und das sind lediglich ein paar Vorteile, welche ich grob umschreibe. Bereits die Tatsache, dass du dich im bewussten Verzicht übst ist heilsam. Bei richtigem Fasten ruft dieser Verzicht keinen essentiellen Mangel hervor. Und die etwa 2-3 Stunden Zeit, die du sonst für die Essensbeschaffung, -vorbereitung und -aufnahme brauchst, stehen dir in dieser Zeit zur Verfügung.

Wie Fasten?

Quelle: Pixabay.com (Fotograf: Engin_Akyurt)

Fasten ist in einer Welt des materiellen Überflusses ein bewusster Verzicht. Genau diesen zu üben ist eine der heilsamsten Aspekte. Sie lehren Demut, Bescheidenheit und Entschleunigung. Auf eine gewisse Art ist es auch Solidarität mit den Millionen Menschen, die täglich mit Hunger ins Bett gehen. Auch wenn Fasten natürlich nicht das Gefühl des Hungerns mit sich bringen sollte – ganz im Gegenteil. Bei Vertrauen in den eigenen Körpern und sonstig „normaler“ Konstitution (nicht ausgemagert, chronisch krank, Diabetiker oder psychisch sehr labil) kann der Körper beim Fasten auf die Energiereserven in Form von Eiweißen und Fett zurückgreifen.

Neben dem Buchinger-Fastenansatz, den ich hier vorstellen möchte, gibt es noch eine Vielzahl anderer Möglichkeiten. Zum Beispiel das klassische Heilfasten nur mit Wasser und ausgewählten Kräutertees (bis zu 40 Tage) – in der oben verlinkten Dokumentation wird diese anhand einer Klinik in Russland vorgestellt. Oder das Intervallfasten, wo mensch eine bestimmte Zeit am Tag keine feste Nahrung zu sich nimmt (16 h am Stück keine Aufnahme, dann 8 h Vollwertfuttern möglich, in Maßen).

Entlastungstag(e)

Wichtig ist, sich für das dauerhafte (mehr als einen Tag) Fasten einen Rahmen in Ruhe außerhalb des Alltags zu nehmen. Um in diesem Rahmen anzukommen eignen sich die Entlastungstage. Die Nahrungsaufnahme ist bereits deutlich reduziert, mit maximal 600 kCal am Entlastungstag (bzw. in den Entlastungstagen). Es können Obsttage sein (nur frisches Obst, oder für magen-darm-empfindliche aus Reistage. Kleine Naturreisportionen mit Apfelkompott. Wichtig ist, sich in dieser Zeit aus dem sonstigen „Alltag“ zu verabschieden und sich bewusst auf das Fasten einzustellen. Als sehr hilfreich empfinde ich, das Fasten an einem anderen Ort, insbesondere naturnah zu gestalten.

Die Fastentage

Die wirklichen Fastentage sind geprägt von einer Phase bis zur potentiellen Fastenkrise (3-5 Tag) und der Zeit danach. Ich persönlich erlebte es dieses Mal umgekehrt. Die erste Zeit war für mich ziemlich selig und entschlossen. Erst am 4+5 Fastentag empfand ich mehr körperliche Schwäche und das Gefühl, nicht so viel beisteuern zu können (hohes Rückzugs- und Ruhebedürfnis). Ein schönes Gefühl, in dieser Zeit fast nie Hunger verspürt zu haben – v.a. kaum Heißhungerattacken, wie ich sie sonst durchaus mal habe.

Quelle: pixabay.com (Fotografin: silviarita)

Buchinger-Fasten zeichnet sich nicht durch Komplett-Verzicht aus. Es wird mit einem frisch gepressten Saft pro Tag (Obst oder Gemüse) und einer Gemüsebrühe gearbeitet. Diese zwei „Mahlzeiten“ sind wirklich ein Segen und sättigend. Wichtig ist hier nur die allerbeste Qualität und die höchstmögliche Frische der Lebensmittel zu nutzen. Vom Salz in der Suppe, bis zu den Karotten im Gemüsesaft.

Auch das gehört dazu…

Darmentleerungen alle zwei Tage sind wirklich wichtig, damit sich keine Giftstoffe im Darm ablagern und vom Körper wieder aufgenommen werden könnten. Es beschleunigt die Entsäuerung und Entschlackung – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich entschied mich für Einläufe (was viele sich nicht mehr vorstellen können xD) da sie einfach effektiv sind. Kritische Stimmen, die anprangern es würde nur den hinteren Teil des Darms betreffen kann ich nur entgegnen, dass das auch genau der Bereich ist, den ich reinigen möchte. Man kann auch mit Glaubersalzen, XF-Passage (Abführmittel), Rhizinus-Öl und Sauerkrautsaft arbeiten, je nachdem, wie mensch so aufgestellt ist. Beim Einlauf liegt der Vorteil für mich auf der Hand, dass bei erfolgreicher Durchführung (das ist nämlich ganz schön tricky!) die Entleerung wenige Minuten später stattfindet. Bei Glaubersalzeinnahme (die geschmacklich sehr krass ist) musst du erst einmal abwarten und die ganze Zeit eine Toilette in der Nähe wissen, bis, naja, ihr wisst schon…

Du nährst dich nicht vom Brot allein…

Was auch immer sich sonst noch lösen möchte in dieser Zeit, gib dem Raum. Bei mir kamen noch einige offene Konflikte hoch. In einem Fall schrieb ich einen längeren Brief, der mir noch auf der Seele brannte. Das Fasten befördert auch diese seelische Reinigung – wenn wir uns darauf einlassen. Es bringt hervor, was allzu oft unterdrückt und verschoben wird. Genau diese Lasten können wir in dieser Zeit näher anschauen und reflektieren, bei Bereitschaft sogar lösen. Auch eigenes Verhalten darf kritischer beleuchtet werden. Mir fiel in dieser Fastenzeit auf, wie oft ich mich selbst in den Mittelpunkt rücken wollte und Ideen anderer oft nur deshalb im ersten Moment Anti gegenüberstand, weil sie nicht aus meiner Feder stammten. Was für ein armseliges Ego-Programm. Ich durfte es oft entlarven und ansprechen – eine Wohltat (für meine Mitmenschen und mich). Auch bei meinem Freund, der mit mir fastete, merkte ich seine seelische Auseinandersetzungen im starken Maße (mit Familienthemen, Glauben und eigener Auslebung von Berufung).

Es ist eine Zeit, die dazu einlädt, sich mit all dem auseinanderzusetzen, was im vermeindlichen „Alltag“ sonst zu kurz kommt: Literatur, Kunst, Kultur, ausführliche Gespräche…wonach sich dein Herz sehnt. Es lohnt sich auch hier, eher auf positive und bestärkende Inhalte wert zu legen, anstatt Roman um Roman über Dystopien zu lesen…

Pflege dich besonders gründlich

Desweiteren ist die regelmäßige und intensive Pflege der Zähne und der Haut wichtig. Regelmäßiges Ölziehen und Zähne putzen verhindert ein fahles Gefühl im Mund (hier hilft auch ein Stückchen Zitrone) und reinigt tiefgründig. Die Haut als unser größtes Organ ist ein wichtiger Ort des Austauschs mit unserer Umwelt. Deshalb dürfen wir sie abschrubben, wenn sie zu fettig ist, sie ölen, wenn sie zu trocken ist und ihr durch regelmäßiges Baden (nur mit natürlichen Badezusätzen!) ausreichend Möglichkeit zum regenerieren geben. „Leberpackungen“, wie es in Kuhns Buch heißt, sind darüber hinausgehend förderlich zur Anregung der Leber und Galle, die beim Fasten besonders aktiv sind. Eine Leberpackung ist übrigens ein mit (nicht zu!) heißem Wasser genässtes Tuch, welches auf die Bauchregion mit der Leber (von dir aus gesehen rechts und den untersten Rippen) gelegt wird.

Im Allgemeinen sollte sich ein fastender Mensch viel an der frischen Luft bewegen (eher ausdauernd und wenig intensiv) und generell eine tiefe Atmung kultivieren. Um die Ausscheidungen über den Harn gut zu fördern sind täglich mindestens 2 l reines (Quell-)Wasser und Kräutertees vorgesehen. Ich persönlich erachte morgens Birke, Brennessel und Bohnenschalenheißgetränk (BBB 😉 ) als harntreibende Kräuter für sinnvoll, um die Ausscheidung anzuregen. Mittags etwas für Magen-Darm (z.B. Kamille, Fenchel) und abends etwas für die Beruhigung und die Nerven (z.B. Lavendel, Baldrian, Hopfen).

Übrigens: Mir fiel auf, dass ich während des Fastens viel mehr Haare in meiner Haarbürste hatte. Einen Reim konnte ich mir da noch nicht drauf machen…

Der Aufbautag

Klassischerweise wird das Fastenbrechen am Morgen des Aufbautages mit dem genüsslichen Verzehr eines Apfels eingeleitet. Dieses pure Geschmackserlebnis, langsam und bewusst zerkaut in Dankbarkeit an Schöpfer, Wunder des Lebens und dem Apfel gegenüber. Fast wie der Bruch von Adam und Eva beim Verzehr vom verbotenen Baum – aus der „Einheit“ des Fastens, zurück in die von Begierden befangen Welt des „Essens“ – naja, der Vergleich hinkt etwas, aber ich hoffe, ihr wisst, was ich meine. Ich persönliche habe den reginalen mild-süßen Apfel dieses Mal nicht ganz aufessen können. Ich war bereits nach 3/4 gesättigt! Desweiteren war es so fein, dieses Fastenbrechen zu ritualisieren: Wir brachen das Fasten zu zweit. Wir dankten dem Apfel und halbierten ihn (duale Welt). Dann tauschten wir eine Hälfte mit dem Gegenüber. Nun viertelten wir den Apfel, der die vier Jahreszeiten symbolisiert. Jetzt 12-teln (also jedes Viertel dritteln, seid ihr noch dabei? 😀 ) wir den Apfel, der für die 12 Monate, die 12 Jünger, die 12 Sternkreiszeichen uvm. stehen kann. Beginne langsam mit dem Verzehr…Trommelwirbel!

Quelle: pixabay.com / Fotografierender: pixel2013

Danach kann mit kleinen Mengen an Obst (ich nahm rote Trauben) oder Joghurt gearbeitet werden. Leicht gedünstete Kost (gedünsteter Apfel o.ä.) ist auch empfehlenswert. Dann kann eine leichte Suppe zu sich genommen werden und mit fester Nahrung begonnen werden. Ich nahm dieses Jahr dafür Sauerkraut, weil es ein regionales fermentiertes Nahrungsmittel ist, welches ein förderliches Darmmilieu mitgestaltet. Was ein genialer Tag des Fasten Brechens 🙂

Jetzt wieder Fast Food?

Mein Körper fühlte sich mit festem Essen im Bauch durchaus wohler. Doch hat ihm der bewusste Verzicht etwas geschenkt, was viele Menschen ihr ganzes Leben nicht erfahren. Denn es ist ein großer Unterschied, bewusst auf etwas zu verzichten, anstelle aus Mangel an Zugang oder sonstigen Gründen. Es schärft den Geist und übt in Geduld, Vertrauen und Körpergefühl.

Ich gebe jedoch ungerne zu, dass ich nach dem zweiten Aufbautag wieder ordentlich zulangte. Zum Glück nicht zu Fast Food, aber die Mengen zur späten Uhrzeit machten meinem Verdauungstrakt sicherlich Schwierigkeiten. Blähungen stauten sich an – den ganzen Vorteil und das regenerierte Darmmilieu aus der Fastenzeit wieder zu Grunde gemacht? Ich denke nicht, doch lerne ich erneut, den Flow aus der Fastenzeit wirklich mit in die Gewohnheiten zu nehmen. Am sinnvollsten zeigt sich da, was im Artikel zum bewussten Bedarf niedergeschrieben ist: Frisch, maßvoll (!), ganzheitlich und mit Freude lebensvermittelnde Kost genießen. Dazu gehört zur Essensaufnahme auch die Sonne, das Wasser, die Luft und vor allem die geistige und kulturelle Nahrung (Informationen, Glaubenssätze, Wissen) denen wir uns aussetzen (ausgesetzt befinden).

Jederzeit wieder

Fasten ist archaisch. Bewusst fasten ist meditativ, entschleunigend und entgiftend. Wer abnehmen möchte, eine Auszeit sucht, in sich aufräumen möchte oder eine heilsame (Begleit-)Therapie sucht, für den ist das Birchner-Fasten genau das richtige. Es ist ratsam und verantwortungsbewusst, sich Fasten-Experten zur Seite zu nehmen oder sich in eine Fastenklinik zurück zu ziehen. Achtsam sollen wir mit diesem potentiellen Geschenk umgehen und es nur in dem Maße tun, wie es unseren Bedürfnissen entspricht (z.B. Intervallfasten).

Mein Körper und Geist wollen diese jährliche Auszeit nicht mehr missen. Deshalb kann ich nur empfehlen: Einfach mal Fasten (selbst wenn es „nur“ ein Tag ist) und horchen, was in dir geschieht.

Frieden sei mit dir!

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