Militärisch industrieller Komplex

„In der Regierung müssen wir uns unserem Denken vor dem Einfluss von unberechtigten Einflüssen des militärisch industriellen Komplexes schützen, seien sie gewollt oder ungewollt. Die Gefahr eines unheilvollen Anwachsens unbefugter Macht existiert und wird fortdauern. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Gewicht dieser Kombination unsere Demokratie und Freiheit zersetzt. Wir sollten nichts als sicher ansehen. Nur eine wache und kenntnisreiche Bürgerschaft kann eine ausgeglichene Verbindung der gewaltigen industriellen und militärischen Maschinerie der Verteidigung mit unseren friedvollen und Methoden und Zielen gewährleisten so dasss Sicherheit und Freiheit gemeinsam prosperieren können.“ (Dwight D. Eisenhower, 1961 in seiner Abschlussrede)

Haben auch wir uns schon an die Situation der horenden Militär – und Rüstungsausgaben gewöhnt? Haben wir uns an den täglichen Drohnenterror von Ramstein, die Stationierung von Atombomben in Büchel, die mittlerweile 17 verschiedenen Auslandseinsätze der Bundeswehr mit 4000 beteiligten Soldaten gewöhnt?

Haben wir uns an die permanente und ungeheure Verschwendung von materiellen und finanziellen Ressourcen gewöhnt? Sind 1,5 Billionen Dollar (1.500.000.000.000 $ – davon 611 Milliarden $ in den USA) weltweit für Militär und die Rüstung vielleicht schon etwas Normales? Sind in Deutschland Planungen 2% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Militär und Rüstung, also über 70 Milliarden jährlich oder ca. 20 % des gesamten Bundeshaushaltes auszugeben, alltäglich geworden? Ist das alles schon Gewohnheit geworden, über die wir uns kaum noch aufregen?

Wie kann ein bewaffneter Konflikt, Terror und Krieg überhaupt so normal geworden sein? Wie kann es überhaupt so schnell als Mittel der Wahl auserwählt werden, dieser schreckliche Zustand, wo Menschen andere Menschen töten, foltern und verletzen. Alle Menschen sitzen im selben Boot, sind Brüder und Schwestern, doch besonders im Krieg erinnern sich die Menschen nicht mehr daran. Wie kann dieser schreckliche Zustand, der täglich über die Nachrichtenportale dieser Welt getickert wird, meist mit tendenziöser bis hin zu falscher Darstellung der Ereignisse, so normal geworden sein?

Kriegs(eintritts)lügen

Wenn jemand bereits mehrere Male beim Lügen erwischt wurde, glaubt mensch ihm weniger schnell oder garnicht mehr. Das gilt normalerweise. Für Regierungen, insbesondere die US-Regierung, scheint diese Regel ausgehebelt zu sein. Ich frage dich, ob es normal ist, dass Regierungen, die bereits häufiger Kriegslügen auftischten, aufgrund derer Millionen Menschen sterben mussten, ganze Landschaften und Wirtschaftszweige zerstört wurden, noch Glauben geschenkt wird, wenn es um die Darstellung heutiger Kriegs – bzw. Krisenregionen (z.B. Syrien) geht. Folgende Kriegs(eintritts)lügen fallen mir innerhalb einer Minute ein:

  1. Vietnamkrieg 1955 bis 1975 – Golf von Tonkin Vorfall 04.08.1964 Kriegseintrittsgrund der USA im Jahre 1964. McNamara (damaliger US-Kriegsminister) gab in seinen Memoiren zu, dieser Vorfall habe so nicht stattgefunden. Bilanz: 1.200.000 – 2.600.000 getötete Zivilisten, 1.100.000 getötete NVA und NLF Kämpfer (Volksarmee und Befreiungsbewegung Südvietnam) und 600.000 verletzte vietnamesische Soldaten laut Wikipedia. Hinzu kommen 58.220 getötete US-Soldaten von 1958 – 1973 in Vietnam laut Wikipedia. Wofür?
  2. Kriegseintrittsentscheidend für USA in Kuwait und Irak 1990 (zweiter Golfkrieg) – Brutkasten Lüge. Bilanz: offiziell laut Wikipedia 1500 – 75.000 getötete irakische Soldaten und 2278 bis 35.000 getötete Zivilisten. Hinzu kommen 228 Verluste bei den Alliierten (USA, Großbritannien, Italien, Frankreich, Saudi-Arabien, Senegal) und etwa 3700 Verwundete. Wofür?
  3. Kosovo Krieg – Es begann mit einer Lüge. Die Gesamtzahl der serbischen Todesopfer durch die Bombardierungen der NATO (ohne NATO-Bündnisfallregelung oder Mandat des UN-Sicherheitsrates!) zwischen Februar und Juni 1999 auf 3500 (sowie 10.000 Verletzte).
  4. 9/11 und der Afghanistan Krieg (nicht offiziell bestätigte Kriegseintrittslüge). Ein Krieg der bereits seit 1978 (damals Stellvertreterkrieg zwischen Sowjetunion und USA) andauert und nach 2001 noch einmal „neu aufgerollt“ wurde. In Wikipedia stehen sehr unterschiedliche und geringe Todesopferzahlen. Da frage ich mich, ob das wirklich so ist. Dass der Terror in der Region selbst, der mit Terror versucht wird zu bekämpfen (welch ausgefeilte Logik) eher mehr als weniger wird, scheint dabei niemanden zu interessieren.
  5. Irakkrieg 2003 und die nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen. Ein völkerrechtswidrieger Angriffskrieg der USA und Großbritannien, um…ja, um was eigentlich zu erreichen? Frieden, Menschenrechte und Demokratie zu bringen? Ich behauupte, das ist und war nie ein Grund für diese Kriege. Es sind Kontroll – und Machtinteressen, Rohstoffkriege (z.B. um Öl) und sonstige perfide Gründe um nicht gehorsame Regierungen gefügig zu machen. Eine kurze Frage sei hier erlaubt: Warum marschiert die NATO nicht unter humanitärem Vorwand in Saudi-Arabien ein? Ganz im Gegenteil: Sie betreiben hoch lukrative Geschäfte (z.B. Rüstungsexport) mit dieser Diktatur. Der Irakrieg forderte bis zum endgültigen Abzug der Truppen der „Koalition der Willigen“ im Jahre 2011 zwischen 100.000 bis 1.000.000 Menschen getötet. Ein befriedetes Land liegt nicht vor, Demokratie existiert auch heute noch nicht im Irak.
  6. Zweiter Weltkrieg – Inszenierter Überfall auf den Sender Gleiwitz 1939 vom NS-Regime. Einer der Auslöser(begründungen) für den zweiten Weltkrieg. Eine der dunkelsten Stunden der Menschheitsgeschichte.

Ich habe hier lediglich die (vermutlich und offiziell) geschätzten Todeszahlen aufgeführt. Die Folgen der Traumatisierungen, die Flüchtlingsströme, die Enteignungen, die Umweltfolgekosten, der wirtschaftliche Schaden, der materielle Schaden, die reinen Geldkosten der Kriege, die sozial hätten benötigt werden können sind hier noch nicht einmal betrachtet (!)

Natürlich sind die von mir hier aufgelisteten Konflikte viel komplexer, als ich im Stande bin sie darzustellen. So wurde beispielsweise Osama Bin-Laden in den 1980er Jahren noch als „Freiheitskämpfer“ von den USA unterstützt, weil er mit Al-Quaida gegen die vordringende Sowjetunion kämpfte. Später war der selbst aufgebaute Bin-Laden dann Staatsfeind Nummer Eins und wurde angeblich 2011 ohne gerichtliches Verhör erschossen und sein Leichnam direkt auf hoher See entsorgt. So wurde also das eigentliche Problem anfänglich vom späteren angeblichen Friedensbringer unterstützt – so und ähnlich ist es in vielen weiteren Konflikten/Kriegen. Doch frage ich mich mithilfe meines gesunden Menschenverstandes: Wie kann es sein, dass die Ziele (z.B. Menschenrechte bringen), mit welchen die Kriege begründet werden, selten eingehalten werden, oft sogar verschlimmert werden? Diese Ziele sind ganz offenkundig nicht dem Frieden, Menschenrechten oder humanitären Zwecken gewidmet. Die Methoden, mit welchen die Militärlogik versucht sie zu überbringen bezeugen dies anschaulich. Wer mir gegenteiliges belegen kann, möge sich gerne bei mir melden.

Eugen Drewermann (ehemaliger kath. Priester, Pazifist, Psychoanalytiker und Schriftsteller) fasst die Absurdität der auf Hochrüstung geeichten Militärlogik auf. Eine gelungene Zusammenfassung einiger seiner Argumente, sowie Ansichten weiterer Friedensaktivisten findest du hier:

Wieso kann es einer angeblich humanistisch orientierten Regierung nicht möglich sein, der UN vier Milliarden $ für Katastrophen – und Flüchtlingshilfe zu geben um sich um 20.000.000 Menschen zu kümmern und gleichzeitig ankündigen den Militäretat von etwa 35 Milliarden € auf 70 Milliarden € zu erhöhen? Ist das normal?

Abgereicherte Uranmunition (Frieder Wagner Dokuentation, 2007)

Eine abscheuliche Waffe wird abseits der Bekanntheit in der Öffentlichkeit in vielen Kriegen der letzten 30 Jahre von der NATO eingesetzt: Abgereicherte Uranmunition. Zum Beispiel im Kosovo Krieg, im Libanon, im Irak oder in Afghanistan. Dort hinterlässt sie verstrahlte Landstriche, Böden und Gewässer, die für eine Kontamination der Bewohner sorgen. Welche unmenschlichen Folgen das hat, zeigt Frieder Wagner in seinem Werk „Deadly Dust“. Ist abgereicherte Uranmunition – die Menschen auf Menschen schießen, die Menschen auf Mutter Erde hinterlassen – normal frage ich dich?

Warnung! Dieser Film ist wirklich nichts für schwache Nerven, bitte überlegt euch, dieses Werk komplett anzusehen.

Stell dir vor es ist Krieg und niemand geht hin…

Ich möchte hier noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich keine Pauschalverurteilung des Militärs oder aller im Militär Angestellten vornehme. Ich habe bereits wunderbare Menschen aus diesen Reihen kennen gelernt. Doch gerade euch (und allen die im militärisch-industriellen Komplex arbeiten) frage ich: Glaubt ihr wirklich, dass die Ausrichtung des Militär für Frieden sorgt? Wem nützt diese Hochrüstungspolitik wirklich? Warum wird kein vernünftiger langfristiger Dialog auf Augenhöhe mit den beteiligten Konfliktparteien gesucht?