Fehler im System?! – Bildquelle: https://www.photocase.de/fotos/1364173-falscher-fehler-lustig-spielen-lifestyle-schule-photocase-stock-foto

Unser Schulsystem und die Schulpflicht baut historisch auf dem Vorbild der preußischen Schulen auf. Diese wurden begründet, um die Abgänger besser in das Militär integrieren zu können. Sie sollten an den geregelten Tagesablauf gewöhnt sein, auf Authorität getrimmt werden und Fähigkeiten erlernen, die allgemein nützlich sind. Der Grundsatz ist und war nicht, die Einzigartigkeit der Talente eines Kindes zu fördern.

Die meisten Abgänger von Schulen unseres Landes wissen nicht, was sie wollen, wer sie sind oder wie sie ihre Steuererklärung ausfüllen können. Meines Erachtens nach hat diese kollektive Orientierungslosigkeit System, doch das würde hier zu weit führen. Zusätzlich wissen viele heute nicht mal mehr einen Nagel vernünftig in die Wand zu bekommen. Handwerkliche Fähigkeiten und Fingerfertigkeiten werden an staatlichen Schulen kaum gefördert. Man legt den Fokus auf die trockene Theorie, im Sitzen und mittlerweile sogar mit viel Abstand zu den Mitschülern. Kein Wunder, dass Resignation, Depression oder Rebellion die häufige Folge auf diese starre Wissensvermittlung sind. Wo bleiben das Erleben, das Einfühlen oder die soft skills?

9% der Kinder und Jugendlichen in Schulen zwischen 11-15 Jahren sind wiederholt Opfer von Mobbing geworden. Was für eine Tragödie, doch es wird meist aus Unfähigkeit damit umgehen zu können weggeschaut. Ein schwerwiegendes soziales Problem, das ich hier bewusst mit aufnehme, weil es so oft unter den Tisch fällt und Hochkonjunktur an Schulen (und sonstigen Institutionen) hat.

Ich finde es nicht zu weit gegriffen, unsere Schulen als Aufzuchtzentren für orientierungslose Weisungsempfänger zu bezeichnen (dieser Satz darf gerne provozieren). Natürlich findet an Schulen auch viel Sinn stiftendes statt: Soziale Kontakte zu Gleichaltrigen, Ausflüge/Klassenfahrten, grundsätzliche Vermittlung von Kenntnissen, Projektarbeiten, Musizieren/Sport/Kunst, durchaus mal kontroverse Debatten – das möchte ich hier nicht unter den Tisch gefallen haben lassen. Doch erschreckend ist die Effizienzlosigkeit, mit welcher unser Schulsystem agiert. Außer mensch erkennt, dass Kinder und Jugendliche durch diese Institution sehr selten zu selbstbewussten, eigenständigen Individuen heranwachsen.

Es gibt eine Menge Gründe, hart mit unserem Schulsystem ins Gericht zu gehen. Insbesondere weil wir bereits seit Jahrzehnten wissen, wie es besser funktionieren kann, allerdings nur kahle Veränderungen geschehen. Vermutlich ist die wichtigste Änderung, diejenige im Innern der Lehrkräfte, ein die am längsten braucht zur Umstellung. Mal ganz von einer Schulpflicht im Allgemeinen abgesehen, die ich mittlerweile fragwürdig finde, im Angesicht der lebhaften Erfolge vieler Freilernerfamilien.

Vor allem die Forschungsergebnisse und Aktivitäten von Gerald Hüther sind in Bezug auf ein radikales Umdenken im Schulsystem sehr erkenntnisreich. Hüther ist ein Bioneurologe, der die These vertritt, jedes Kind sei hoch begabt und müsse vor allem in seinem Vertrauen, seinen Fragestellungen und Lerntrieb gefördert werden. Er regt eine ganz andere, ganzheitliche Sicht auf die Begleitung der wundersamen Geschöpfe, die unsere Zukunft bilden werden, an. Jedes Kind ist von sich aus an vielen Dingen interessiert, nur eben in den meisten Fällen nicht an Frontalunterricht von Punkt 08:00 – 14:15 Uhr über Themen, die gerade noch nicht dran sind und oft gelangweilt vermittelt werden. So wird die Natur der Entwicklung unserer Persönlichkeit, unserer Interessen und eigenen Geschwindigkeit des Erlernens häufig missachtet. Und trotzdem schicken die meisten ihre Kinder (gezwungenermaßen) in ein solches Schulsystem. Ist das normal?